Postfaktisch?

In den Medien wird derzeit ja – insbesondere vor dem Hintergrund der Präsidentschaft von Donald Trump – die Tendenz zu einer „postfaktischen“ Meinungsbildung beklagt.

Ein Schlüsselbegriff der aktuellen politischen Diskussion und Analyse ist „postfaktisch“. Die Diagnose lautet, dass sich die Gesellschaft sukzessive und bewusst von der Orientierung an Fakten verabschiedet und nur noch Wollen und Meinen gelten lässt. Begriff und Diagnose suggerieren, dass wir aus einem Zeitalter der sachlichen, faktenorientierten Urteilsbildung kommen.

Mir fällt dazu ein, dass es insbesondere der Netzfeminismus war, der in den letzten Jahren immer wieder deutlich gemacht hat, dass er von  objektiven wissenschaftlich prüfbaren Fakten wenig hält, weil die Wirklichkeit ja ohnehin nur ein Konstrukt sei.  Fragen etwa nach dem Geschlecht einer Person, ob eine Handlung eine Vergewaltigung darstellt oder eine bestimmte Aussage rassistisch ist will der Netzfeminismus allein auf Basis der Meinung und Gefühle der Person klären, die laut Netzfeminismus jeweils die sog. „Definitionsmacht“ innehat.

Auch beim sog. Gender Pay Gap wurde und wird jedes Jahr aufs neue die nachweislich falsche Zahl von 23 % Gehaltsunterschied zwischen Männern und Frauen „für die selbe Arbeit“ verbreitet. Klassischer Fall von Fake News also.

Daher finde ich es lustig wenn jetzt ausgerechnet der linke Netzfeminismus über „postfaktische Zeiten“ klagt.

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