Ist eine Vorliebe für Aisiatinnen rassistisch?

Bisher dachte ich immer, Rassismus sei eine Art gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit, die sich an gewissen körperlichen Merkmalen (Hautfarbe) fest macht. Bei Bento ist jetzt ein Artikel erschienen, in dem sich die Autorin Thi Yenhan Truong darüber beklagt, dass sie beim Daten immer wieder auf Männer trifft, die aus verschiedenen Gründen eine sexuelle Vorliebe für asiatische Frauen haben oder zumindest einmal in ihrem Leben eine entsprechende sexuelle Erfahrung machen möchten (sie nennt es „yellow fever“).

Gerade als vietnamesischstämmige Deutsche erlebe ich oft, dass sich viele Männer etwas von mir als Asiatin versprechen: eine exotische, sanfte Kindfrau, die im Bett besonders devot und/oder freakig ist.

Das Phänomen ist im englischsprachigen Raum bekannt als „Yellow Fever“ und steht für Menschen (meist Männer), die gesteigertes sexuelles Interesse an asiatischen Menschen (meist Frauen) haben.

So weit so harmlos. Was mich aber erstaunt ist die Position der Autorin eine solche Vorliebe als Rassismus zu bezeichnen.

An sich ist nichts dagegen zu sagen, einen bevorzugten Typ oder Vorlieben zu haben. Aber der Spaß hört für mich auf, wenn es nur um meine Hautfarbe geht. Nicht nur, dass es absolut oberflächlich ist – es ist schlicht rassistisch und beleidigend, Menschen nach ihrer Hautfarbe zu beurteilen und ihnen bestimmte Eigenschaften anzudichten.

Das finde ich jetzt wieder überraschend. Betrachtet man z.B. den von Boris Becker bevorzugten Typus seiner Partnerinnenwahl, wird man ihm wohl zu Recht unterstellen dürfen, dass er nur dunkelhäutige Frauen in Betracht zieht. Nach der Definition von Thi Yenhan Truong wäre er damit Rassist, WEIL er dunkelhäutige Frauen mag.

Was macht man also nun als weißer Mann (denn natürlich liegt das Problem nur hier), wenn man an yellow fever leidet?

YouTuberin Anna Akana drückt es so aus: „Warum kommen die Männer nicht und sagen: ‚Ich bin ein rassistisches Arschloch.‘ Da würdest du wenigstens denken: Oh, das ist ehrlich. Das ist cool.“

Na dann…

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13 Kommentare on “Ist eine Vorliebe für Aisiatinnen rassistisch?”

  1. Matze sagt:

    Rassismus war mal etwas schlimmes, bei dem einer Gruppe von Personen ausschließlich schlecht Eigenschaften angedichtet wurden. Heute brauch man(n) nur Vorlieben haben und ist schon rassistisch.

    Wenn alle weißen Männer nur noch noch weiße Frauen daten wären sie genauso rassistische Arschlöcher? Aber mit Sicherheit. Wie Mann es macht, Mann macht es falsch.

    Zum Glück haben Frauen keine Vorlieben, die kritikwürdig sind…

    https://twitter.com/heightismwatch

    https://twitter.com/hashtag/gasshortmen

  2. only_me sagt:

    Ist Größismus ähnlich schlimm wie Rassismus?

    Muss ja, denn es gibt keinen signifikanten Unterschied zwischen
    „Aber der Spaß hört für mich auf, wenn es nur um meine Hautfarbe geht“
    und
    „Aber der Spaß hört für mich auf, wenn es nur um meine Körpergröße geht“

    Was gedenkt Truong gegen all die größendiskriminierenden Frauen zu unternehmen? Sollen die auch in Zukunft zum Mann sagen: „Ich bin ein oberflächliches Arschloch“? Werden diese das tun?

  3. Wie üblich haben die keine Ahnung und vor allem keinerlei Lebenserfahrung von außerhalb der Uni. Die erotische Anziehungskraft der anderen Hautfarbe gibt es überall; schwarze Männer stehen unheimlich auf blonde Frauen, das sind dann wohl auch Rassisten? Aber nein, es können ja nur Weiße rassistisch sein…

  4. „Nach der Definition von Thi Yenhan Truong wäre er damit Rassist, WEIL er dunkelhäutige Frauen mag.“

    Sie begründet das wohl damit, dass man damit den Mensch dahinter entwertet und ihn lediglich als Vertreter seiner Rasse wahrnimmt. den Menschen auf seine Rasse zu reduzieren sei dann eben rassistisch.

    • elitemedium sagt:

      Wäre es also auch rassistisch*, wenn jemand in seiner Firma nur Asiatinnen einstellt, weil er diese grundsätzlich für viel klüger hält, als weiße Frauen?

      *rassistisch gegenüber den Asiatinnen

      • Die Feinheiten der intersektionalen Theorie sind natürlich schwer vorauszusagen bevor sich jemand auf Diskriminierung beruft 😉

        Aber ich will das nicht aussschließen, dass zB die Autorin da was finden würde, zB: „Nur weil ich Asisatin bin wollen sie mich und verlangen dann auch mehr von mir, nämlich, dass ich klug sein muss und arbeitsam, während sie das von Weißen nicht verlangen“ oder etwas in der art

  5. aranxo sagt:

    Ich habe mir sagen lassen, dass Asisatinnen sehr auf weiße Männer stehen. Kann natürlich sein, dass da ungerechtfertigte positive Zuschreibungen dahinterstehen, sprich: Hat nen dicken Geldbeutel. Ist das jetzt Rassismus?

  6. Ronald.Z sagt:

    Ich habe mir die Bilder von der Autorin angesehen. Also wer optisch so drauf ist, sollte mindestens mental ein paar Kompromisse eingehen können, sonst wirds nix auf dem Heten-Partnermarkt.

    • elitemedium sagt:

      Tinder benutzen und sich dann über die Oberflächlichkeit der Nutzer beschweren hat natürlich was.

    • Gogglebox sagt:

      Also ich finde die bildhübsch! Und was die unterstellten intellektuellen Verklemmungen dieser Schönen betrifft: Wer einerseits im politisch ultra-korrekten D-Schland und andererseits in einem kulturell wahrscheinlich konfuzianisch geprägten Familienumfeld aufwächst und noch dazu die langjährige Erfahrung des „Andersseins“ gemacht hat, der wird manche Dinge vielleicht einfach von Natur aus nach strengeren Maßstäben beurteilen, als der Durchschnittsmensch, ohne dass sie deshalb total verquere Ansichten haben muss. Die Perspektiven der Menschen sind von ihren Erfahrungen geprägt und daher eben unterschiedlich. Vielleicht hat sie ja auch ganz angenehme Seiten, wenn man sie kennt.

  7. Sie ist offenbar als Kind vietnamesischer Boatpeople, die in den 7oer Jahren nach Deutschland kamen (bekanntester ist wohl Philipp Rösler) in Deutschand geboren und aufgewachsen.

    „Die Verfasserin hat Germanistik und Skandinavistik an der Universität Erlangen-Nürnberg studiert und arbeitet als freie Autorin und Bloggerin (dangerbananas.de) in München. Sie schreibt zu den Themen Rassismus, Gesellschaft, Politik und Kultur und engagiert sich für Menschen mit asiatischen Wurzeln in Deutschland.“

    http://www.migazin.de/2014/05/21/rassismus-migranten-blutspende-ausgeschlossen/

    Da wird ein psychologisches Muster sichtbar, wie z.B. auch bei Noah Sow.

    In D geboren und sozialisiert, Muttersprache Deutsch, sehen aber anders aus als die Mehrheit der Deutschen. Natürlich ist man dann befremdet, wenn man offenbar nicht automatisch als deutsch wahrgenommen wird, psychologisch völlig verständlich. Man fragt sich: warum nehmen die mich als andersartig wahr, wo ich doch genauso deutsch bin wie alle anderen? Kann ja dann wohl nur das Äußere sein, also Rassismus!

    Obwohl die Erfahrungen in ihrem Fall eher positiv waren (erotisch interessant sein), empfindet sie sich als diskriminiert: „The nationalistic view that you can only be German if your ancestors were German is still alive and kicking.“

    Auf die Idee, dass es einfach nur ihr exotisches Äußeres ist und eigentlich niemand ihr ihr Deutschsein absprechen will, kommt sie nicht.

    Als wenn die Deutschen etwas dafür könnten, dass ihre Eltern Vietnamesen sind.


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