Der Bedeutungsverlust der Mädchenmannschaft
Veröffentlicht: Oktober 26, 2016 Abgelegt unter: Uncategorized 3 KommentareBei Alles Evolution gibt es eine interessante Diskussion zum Bedeutungsverlust des Blogs Mädchenmannschaft für den Netzfeminismus. Während bei der Mädchenmannschaft früher beinahe täglich ein Artikel veröffentlicht wurde, finden sich dort derzeit fast nur noch Linklisten zu Veranstaltungen oder Artikeln auf anderen Blogs. Obwohl die Mädchenmannschaft 15 Autorinnen und Autoren listet, scheint es sich bei vielen nur noch um Karteileichen zu handeln. Betrachtet man die in diesem Jahr dort veröffentlichten Artikel (ohne die reinen Linklisten und verlinkten Musikvideos, inklusive Gastautorenartikel) ergibt sich folgendes Bild:
Januar 8 Artikel
Februar 13 Artikel
März 3 Artikel
April 2 Artikel
Mai 4 Artikel
Juni 4 Artikel
Juli 1 Artikel
August 7 Artikel
Seprember 1 Artikel
Oktober 1 Artikel
Auch der Inhalt der wenigen noch erscheinenden Artikel dreht sich immer seltener um Feminismus. Mein Eindruck ist, dass die Mädchenmannschaft sich von ihrer Spaltung und dem damit verbundenen Weggang der Gründungsautorinnen nie wieder wirklich erholt hat und auch die Hinzunahme neuer „PoC“ Autorinnen letztendlich nicht die erhoffte belebende Wirkung brachte. Nadine Lantzsch, die von der taz seinerzeit als neue Zentralfigur der gewandelten Mädchenmannschaft angesehen wurde, hat dort ihren letzten Artikel am 15. Oktober 2015 veröffentlicht.
“ Mein Eindruck ist, dass die Mädchenmannschaft sich von ihrer Spaltung und dem damit verbundenen Weggang der Gründungsautorinnen nie wieder wirklich erholt hat und auch die Hinzunahme neuer „PoC“ Autorinnen letztendlich nicht die erhoffte belebende Wirkung brachte.“
Meine Vermutung ist, das verschiedene Gründe zusammenkommen: crumar weißt richtig darauf ihn, daß Feminismus heute nach dem stalinistischen Kritik-und-Selbstkritik-Prinzip funktioniert – ohne daß es eine Autorität – wie damals im Stalinismus – gäbe, die festlegt, was jetzt wirklich feministisch ist. Die Folge ist, daß sich die Aktivisten ständig im Feministisch-sein überbieten. Und irgendwann ist da nichts mehr.
Zweitens hat der Feminismus in den letzten Jahren immer mehr Strömungen zu assimilieren versucht: Rassismus und Klassismus kamen hinzu und seit neuestem verbieten man die freie Rede, da PC irgendwann nicht mehr genug war. Das macht es schwer, den wahren Gegner auszumachen: Erst wahren es die Männer, dann die hetereo-cis-Männer und zuletzt die weißen, altenm hetero-cis-Männer. Und um der MRA den Wind aus den Segeln zu nehmen schadet das Patriarchat nun auch den Männern selbst.
Da stellt sich langsam die Frage, wer überhaupt noch schuld ist.
Es scheinen mir einige „Quoten-PoCs“ aufgenommen worden zu sein, die aber mehr auf dem Papier stehen
Übrigens sieht es auch auf den übrigen feministischen Blogs, die bei der mädchenmannschaft in der Blogroll verlinkt sind derzeit eher mau aus. Ich habe schon lange keine feministischen Beiträge gelesen, die irgendwie Zunder enthielten, wie in den alten Zeiten.