Gehaltsunterschiede Frauen und Männer

Wenn man beim Thema Gender Pay Gap genauer hinschaut, dann stellt man schnell fest, dass Frauen eben nicht für DIE SELBE ARBEIT weniger Geld bekommen ALS IHRE MÄNNLICHEN KOLLEGEN – wie in der Presse gerne mal verbreitet – sondern das Frauen aders als die Mehrzahl der Männer oft Berufe ergreifen, die in unserer Gesellschaft schlecht bezahlt sind. Ab diesem Punkt verfasert sich dann oft die Diskussion. Teilweise wird vertreten, dass nicht die Frauen die billigen Berufe ergreifen, sondern die Berufe so schlecht bezahlt werden, gerade weil sie von Frauen ausgeübt werden. Also ein klassischer Fall der Diskussion um Henne oder Ei.
Auch die Lösungsvorschläge sind unterschiedlich. Die Einen wollen Frauen dazu bewegen, ihr Verhalten bei der Berufswahl zu ändern. Der Erfolg hierbei ist bisher..nunja bescheiden. Die Anderen – z.B. Antje Schrupp –  fordern lieber, dass die bevorzugten Berufe der Frauen einfach besser bezahlt werden sollen. Die Argumentation finde ich allerdings unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten etwas fragwürdig:

„Der Sinn einer Arbeit steht in unserer derzeitigen symbolischen Ordnung quasi in einem umgekehrten Verhältnis zu ihrer Entschädigung – je sinnvoller eine Arbeit (offensichtlich) ist, umso weniger muss man dafür bezahlen, weil die Leute machen es ja wegen dem Sinn.“

Also ich finde ein Herzchirurg z.B. macht eine sehr sinnvolle Arbeit und wird trotzdem sehr gut bezahlt. Die Behauptung der „Sinn“ einer Tätigkeit stehe in umgekehrtem Verhältnis zu ihrer Vergütung halte ich für einen Fehlschluss. Tatsächlich hängt die Höhe der Bezahlung für eine Tätigkeit von zwei wesentlichen Faktoren ab:

1. Welcher Profit lässt sich aus der Arbeit erzielen?

2. Wie häufig oder selten wird die dafür erforderliche Arbeitskraft am Arbeitsmarkt angeboten?

Damit lässt sich ganz gut erklären, weshalb der Banker viel verdient (Profit) aber die Germanistin oder angewandte Kulturwissenschaftlerin eher nicht (kaum Profit). Warum der Pilot oder der Chirurg viel verdient (seltene Fähigkeit), die Krankenschwester oder Flugbegleiterin dagegen weniger (häufigere Fähigkeit). Der „Sinn“ für die Gesellschaft spielt dabei kaum eine Rolle.

Lesenswert von Antje Schrupp übrigens: 10 Thesen zum Equal Pay Day

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6 Kommentare on “Gehaltsunterschiede Frauen und Männer”

  1. Vinzenz sagt:

    „Das ist im Übrigen mein Vorschlag dafür, wie wir mehr Frauen in hohe Führungspositionen und Aufsichtsräte bringen können: Einfach dort deutlich weniger bezahlen. Dann werden nämlich all diejenigen, die solche Posten hauptsächlich wegen dem Geld und dem Status reizvoll finden, von selber wegbleiben. Und das wäre ganz sicher für die Qualität dieser Gremien von Vorteil. Der Frauenanteil würde sich dann wahrscheinlich ganz von allein erhöhen.“
    Ich fass es nicht, kann die das wirklich ernst meinen?

    Auf jeden Fall danke für den Link.

    • St. Elmo sagt:

      Die Punkt 4-10 sind wirklich etwas bis ziemlich Banane
      aber in den Punkten 1-3 liegt sie erschreckender weise Richtig

  2. m sagt:

    Ich finde auch, dass einige Berufe unterbezahlt sind aber was ich so finde spielt keine Rolle. Wichtig ist eben, was der Markt findet.

  3. stephibas sagt:

    „Warum der Pilot oder der Chirurg viel verdient (seltene Fähigkeit), die Krankenschwester oder Flugbegleiterin dagegen weniger (häufigere Fähigkeit).“

    Hier spielt aber nicht nur eine Rolle, wie häufig oder weniger häufig es diese Fähigkeiten vorhanden sind, sondern auch die unterschiedlich hohe Ansprüche, die diese Berufe mit sich bringen. Ein Chirug trägt mehr Verantwortung als eine Krankenschwester, so wie ein Pilot mehr Verantwortung hat als eine Krankenschwester.

  4. Dieses Gefasel von einer angeblichen „symbolischen Ordnung“ von der Schrupp finde ich grauenvoll. Diese Frau merkt gar nicht, was für eine Chauvinistin sie ist.

    Das ist ein grauenvolles Zitat:

    Gerade bloggte ich drüben bei Fischundfleisch darüber, was meiner Ansicht nach ein wichtiger Grund dafür ist, warum viel weniger Mädchen als Jungen sich für (gut bezahlte) Industrieberufe interessieren: Alles, was mit (vor allem industrieller) Produktion zu tun hat, ist nicht wirklich sichtbar als etwas, das zum guten Leben aller beiträgt, sondern es steht in dem Ruf, nur dem Profit und dem Kapitalismus zu dienen. Deshalb wählen Menschen, die bei der Berufswahl vor allem auf den Sinn ihrer Arbeit Wert legen und weniger auf Geld oder Status tendenziell die so genannten “helfenden” Berufe, also Krankenschwester, Erzieherin, Altenpflegerin und so weiter – mehr Frauen als Männer, aber natürlich nicht nur.

    In dieser industriellen Produktion werden ja auch Notebooks, Stehlampen, Waschmaschinen, Kochtöpfe und Eisenbahnwagen hergestellt. :facepalm:

    Sorry, aber diese Frau Schrupp ist so dermaßen schlicht gestrickt. Die ist dumm wie ein Aldi-Brot – aber kann ihren Schwachsinn in schöne Worte verpacken. Ich habe jetzt glatt das starke Gefühl, einen Artikel über diese Chauvinistin zu schreiben auf meiner gender-ideologie-Seite. Man muß das einfach publik machen.

    Na ja, dieser ganze Müll von der ist so leicht zu widerlegen, daß ich mich immer wieder frage, wie diese Frau solch einen Fanclub auf ihrem Blog haben kann. Echte Kritiker wie mich hat sie längst geblockt.

    PS: Interessantes Blog, was du da hast, möchte dich ermutigen, weiter zu schreiben. Meiner Meinung nach muß man sowieso nicht viel schreiben, Hauptsache regelmäßig und als Minimum wohl einmal im Monat. Man soll sich ja nicht unnötig verausgaben. 🙂

  5. Urschula sagt:

    Ich finde die obige Erklärung für die Gehaltsunterschiede *sehr verkürzt*
    Es finden sich für beide Thesen Positiv-, wie auch Negativbeispiele. Oder anders ausgedrückt. man kann für alle Thesen stützende, wie auch widerlegende Beispiele anbringen.

    Meines Erachtens hat die Gehaltshöhe in unterschiedlichen Branchen (egal ob die Branche eher männliche oder weibliche Gehaltsempfänger hat) eher etwas damit zu tun, ob das verkaufte / produzierte Produkt sich mit unterschiedlichen Methoden dem Wettbewerb entziehen kann oder nicht.
    Darüber hinaus spielt es natürlich eine Rolle, in welcher Rolle der Gehaltsempfänger bei der Erstellung / Vermarktung des „Produktes“ eine Rolle spielt.

    Für diese These fallen mir nur bestätigende Beispiele ein, vielleicht gelingen auch Gegenbeispiele?

    Hohes Gehalt auf entsprechender Ebene:
    Produkte mit wenig Wettbewerb: IPhone, Medikamente, Pharma, Energiekonzerne, Patentanwälte, Musikindustrie, Banken (Produkte erklärungsbedürftig, schlecht vergleichbar)

    Niedriges Gehalt:
    Produkte mit viel Wettbewerb
    Lebensmittel, Gesundheitsversorgung, soziale Berufe

    Auffällig ist auch, dass gerade unwichtige – oder besser nicht lebenswichtige Produkte die höchsten Renditen / Gehälter erzielen. Wohingegen lebensnotwendige „Produkte“ immer billiger werden.
    Offensichtlich stimmt an der „Preisfindung“ etwas nicht – jedenfalls funktioniert sie nicht so, wie man es in jedem BWL-Lehrbuch (Schundbuch?) beigebracht bekommt.

    Lösungsansatz: Wenn schon Wettbewerb, dann bitte ohne Ausnahmen! Keine Patente und sonstige IP-Schutz


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