Netflix und die Schere im Kopf

Die feministische Feuerwehr – die es angeblich gar nicht gibt – hat mal wieder Alarm geschlagen. Schuld ist diesmal eine Werbung des Streaminganbieters Netflix.

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Das Bild bringt accalmie bei der mädchenmannschaft prompt und verlässlich zum ranten. Die von ihr vorgebrachte Kritik an dieser Werbeanzeige offenbart sehr schön das Weltbild der Betrachterin und wirft die Frage auf, ob Sexismus von Bildern objektiv beweisbar ist oder ob er nicht eher erst im Kopf des Betrachters entseht .

„Netflix illustriert, wie für jeden “Geschmack” heterosexueller weißer Männer “was” dabei ist: Dieses Etwas sind ihm zur Verfügung stehende Frauen. Netflix’ macht deutlich, wer die Zielgruppe ist: weiße heterosexuelle dudebros, die sich für den Wäre-So-Gern-James-Bond-Verschnitt Sterling Archer der gleichnamigen Comic-Serie halten und Frauen nicht als Menschen, sondern als Objekte begreifen, welche lediglich der eigenen Unterhaltung und (auch) sexuellen Befriedigung dienen.“

Zunächst einmal stört accalmie sich daran, dass Adressat der Werbung das absolute Böse, Hitler der heterosexuelle weiße Mann sei. Wenn ich mir das Bild ansehe, dann kann ich nicht sagen, ob der dort abgebildete Mann nun Homo- oder Heterosexuell oder Bisexuell sein soll. Accalmie schließt eine heterosexuelle Orientierung allein aus der Tatsache, dass er in eine Pool mit mehreren Frauen sitzt. Die sexuelle Orientierung des Mannes ist also ihre persönliche Lesart der Szene.

Ich kann auch nicht sagen, ob die Person im Zentrum des Bildes  weiss sein soll. Die Haare sind jedenfalls schwarz, es könnte sich also auch um einen Hispanic, einen Türken/Araber, Libanesen etc. handeln. Für accalmie ist er dagegen eindeutig und ohne jeden Zweifel  Mitglied des Ku-Klux-Clan weiss.

Und sind das überhaupt alles Frauen in dem Pool? Von 4 Personen eigentlich ist nur der Hinterkopf zu sehen. Brüste oder weitere Geschlechtsmerkmale sind bei keiner Person erkennbar. Es könnten also auch Männer mit längerem Haar darunter sein. Auch hier liegt die Zuordnung des Geschlechtes im Auge des Betrachters, passiert also erst in seinem oder ihrem Kopf. Ist das also die Schuld des Zeichners?

Weiter im Text: Wie kommt accalmie darauf, dass sich die Werbung am abgebildeten Mann orientiert und dieser „im Zentrum“ steht? Immerhin befinden sich im Pool noch sieben anderen Personen (die accalmie als Frauen liest). Der Mann ist also deutlich in der Unterzahl. Stellen wir uns die Szene mal andersherum vor: Viele Männer und nur eine Frau. Dann würde accalmie vermutlich beklagen, dass Frauen unterrepräsentiert seien, weil man viel mehr Männer sieht. Hier aber genügt schon ein Mann im Bild neben sieben mutmaßlichen Frauen, dass die feministische Betrachterin den Mann schon als überrepräsentiert empfindet. Dabei ist es ihr eigenes Bild im Kopf, dass den „Frauen“ die Rolle als Beiwerk des Mannes zuweist.

Folgende Lesarten des Bildes kommen für accalmie scheinbar gar nicht erst in Betracht:

– es handelt sich um eine bunt gemischte Gruppe aus Männern und Frauen (und Transsexuellen), einige Männer tragen die Haare lang

– der Mann ist homosexuell und wird nur deshalb von den Frauen im Pool akzeptiert

– eine Frauenrunde hat sich einen Callboy (als Sexobjekt) bestellt

– Zielgruppe von Netflix sind überwiegend Frauen, deshalb ist eine breite Anzahl Frauentypen abgebildet, ein einziger Mann ist nur quotenhalber dabei mit abgebildet

All diese Deutungen werden nicht mal im Ansatz erwogen. Die von accalmie vorgenommene Deutung entspringt Ihrer eigenen Interpretation. Nicht das Bild, die Interpretation des Bildes belegt den Sexismusvorwurf an Netflix. So entsteht folgender sich selbst beweisender Zirkelschluss. „Ich halte Netflix für sexistisch, deshalb weiss ich, dass Netflix die Anzeige nur sexistisch gemeint haben kann und alle anderen Deutungen der Szene abwegig sind, was wiederum der Beweis für den Sexismus von Netflix ist“

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Gerechtfertigter Generalverdacht nach Antje Schrupp

Liebe Sinti und Roma, liebe Mitmenschen schwarzer Hautfarbe, die ihr Euch über hässliche Vorurteile oder Polizeikontrollen aufgrund Eurer Hautfarbe aufregt: Ihr seit selber schuld! Jawohl! Das habe ich bei Antje Schrupp gelernt.

Dass es Männer gibt, die Frauen vergewaltigen, ist halt nicht nur ein Problem von Frauen allein, es ist ein Problem aller, der ganzen Gesellschaft, und es betrifft logischerweise Männer ebenfalls, nur halt auf andere Weise als Frauen. Solange es Männer gibt, die so etwas tun, muss jede Frau damit rechnen, ihr Opfer zu werden. Und jeder Mann muss damit rechnen, verdächtigt zu werden.

Wenn euch das nicht gefällt, liebe Männer, dann müsst ihr eben eure Geschlechtsgenossen davon abhalten, Frauen KO-Tropfen in den Drink zu schütten. Denn erst, wenn es keine Vergewaltigungen mehr gibt, ist auch keiner von euch mehr verdächtig. Deal with that.

So siehts aus. Und nach dieser bestechenden Logik es gibt eben auch Schwarze die mit Drogen dealen. Oder Sinti und Roma, die was geklaut haben. Wenn Euch also Polizeikontrollen aufgrund Eurer Hautfarbe nicht passen, dann müsst Ihr Eure äh..Hautfarbegenossen eben künftig abhalten Drogen zu verkaufen oder zu stehlen. Denn erst wenn es keine Straftaten durch Schwarze oder Sinti und Roma mehr gibt, ist auch keiner von Euch mehr verdächtig. Und jetzt noch ein betont lässiges deal with it hinterher geschoben.