Mal wieder: Das Trans-Problem in der Gendertheorie

Dass die Gendertheorie vom „erlernten“ beziehungsweise „gesellschaftlich zugewiesenem Geschlecht“ beim Thema Trans an ihre Grenzen stößt hatte ich hier bereits schon einmal im Blog Geschlechterallerlei ausgeführt.  Nun hat sich Antje Schrupp an dem Thema versucht und begeht aus meiner Sicht mal wieder den selben Fehler:

„Der Unterschied zwischen Cisfrauen und Transfrauen ist ja der, dass die einen ihr Geschlecht bereits bei der Geburt von der Gesellschaft zugewiesen bekommen (im Queer-Vokabular heißt das “FAAB”, “female-assigned at birth”), während die anderen bei der Geburt zunächst fälschlicherweise als “männlich” einsortiert werden.“

Aha. Cis-Menschen bekommen ihr Geschlecht also angeblich zugewiesen. Von außen. Von der Gesellschaft. Ohne diese Zuweisung wäre da nichts Angeborenes.

Anders aber angeblich bei  Trans-Frauen. Die werden von der Gesellschaft falsch (nämlich männlich)  einsortiert. Weil ihr tatsächliches (weibliches) Geschlecht nicht erkannt wird. Aber woher kommt dieses echte (weibliche) Geschlecht denn her? Gesellschaftlich zugewiesen (wie bei Cis) soll es ja nicht sein, denn das gesellschaftlich zugewiesene Geschlecht – männlich – ist ja bei Transfrauen falsch. Also müssten Trans-Menschen ein angeborenes Geschlecht haben, das nicht auf externer Zuweisung beruht. Schrupp spricht hier selber ja von „einsortieren“ und nicht von „zuweisen“ wie bei cis.

Angeborenes Geschlecht? Jetzt plötzlich doch? Und wenn ja, warum nur bei Trans?

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7 Kommentare on “Mal wieder: Das Trans-Problem in der Gendertheorie”

  1. me sagt:

    Manno, man soll doch Wörter von Feminist.I.nnen nicht auf die semantische Goldwaage legen! Fühl dich lieber ein in die Wahrlichkeit, die dahinter spürbar ist.
    Wahrlichkeit ist authentischer als Wahrheit.

  2. Schrupp ist allerdings Differenzfeministin. Insofern bejaht sie auch zwei unterschiedliche Geschlechter.
    Bei Biologie will sie sich dann irgendwie nicht festlegen

    • Das löst aber das obige Problem nicht! Ist dieses doofe CIS nun angeboren oder zugewiesen?

      Ich denke Schrupp meint mal so, mal so. Wie es gerade passen will.

      Differenzfeministin – Du kennst Wörter. 🙂

  3. mitm sagt:

    Dazu passend wurde vor kurzem in der SZ eine sehr spezielle Sorte Transsexueller beschrieben:

    Marten Rolff: Plötzlich schwul
    http://www.sueddeutsche.de/leben/homosexuell-nach-schlaganfall-ploetzlich-schwul-1.1982995

    Hochinteressant.
    Kurz gesagt: Personen, bei denen ein Schlaganfall / Unfall massive Veränderungen im Gehirn hervorruft und die nach einer Rehablitation eine andere sexuelle Orientierung haben, z.B. hetero zu homo oder umgekehrt.
    Deutlichere Beweise kann man sich kaum vorstelllen, daß die sexuelle Orientierung ganz wesentlich durch die vorhandenen Gehirnstrukturen mitbestimmt wird und nicht „heilbar“ oder erlernbar ist.
    Weil es etwas so eindeutig biologisch Determiniertes im Gender-Feminismus aber nicht geben darf, erklärt man sie eben für Schauspieler oder meschugge. Gemeinsames Leid: „Niemand wird dir glauben“.

    • spasskultur sagt:

      der typ wurde nicht zu frau. er wurde schwul und blieb ein mann.

      • mitm sagt:

        „er wurde schwul und blieb ein mann“

        stimmt, transsexuell ist hier der falsche Begriff.
        Was ist denn überhaupt die richtige Bezeichnung für jemand, der von hetero zu homo wechselt?

        Jedenfalls dürften solche Fälle genauso ein Problem für Schrupp und Co. sein wie Transsexuelle

  4. MADE sagt:

    Ich sehe in Antje Schrupps Worten hier keinen Widerspruch, sondern nur eine ungenaue sprachliche Differenzierung. Meines Erachtens will sie in ihrer Unterschiedung zwischen Cis- und Transfrauen darauf abstellen, dass bei Cisfrauen das (später) empfundene und das (bei der Geburt) zugewiesene Geschlecht miteinander übereinstimmen, wohingegen bei Transfrauen das (bei der Geburt) zugewiesene Geschlecht nicht dem (später) empfundenen Geschlecht entspricht.

    Daraus würde ich nicht folgern, dass bei Cis-Menschen die Zuweisung über ihr Geschlecht bestimmt, während Trans-Menschen die Bestimmung ihrer Geschlechtsidentität – unabhängig vom zugewiesenen Geschlecht – selber vornehmen. Sie spricht ja an keiner Stelle von einem „angeborenen Geschlecht“, sondern nur von „ihr Geschlecht“, womit meiner Meinung nach ihr tatsächliches (i. e. empfundenes/erlebtes/gelebtes) Geschlecht gemeint ist. Bei beiden entscheidet also die pränatale Geschlechtszuweisung nicht über ihr reales Geschlecht (ob man es nun als angeboren betrachten mag oder nicht).

    Dass die Ausbildung des tatsächlichen Geschlechts (ich spreche hier stattdessen vom „empfundenen“ Geschlecht, um die Relativität der gelebten Geschlechtsidentität zu unterstreichen und keine Wertung über den Antagonismus zwischen biologischem und sozialem Geschlecht vorzunehmen) natürlich stark von der initialen Geschlechtszuweisung abhängt, will ich damit keineswegs leugnen – ganz im Gegenteil. Das jedoch ist wieder ein anderer Aspekt…


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