critical whiteness – Weiss-sein als Erbsünde

„Natürlich sind wir alle Rassisten. Wie auch sonst. Wenn man das nicht schnallt, dass man in eine seit Jahrhunderten wirksame Grenzziehung hinein sozialisiert wird so, ganz so, wie man die deutsche Sprache lernt, sollte man zu dem Thema einfach den Schnabel halten. Nur dann kann man den Rassismus in seinen verschiedenen Formen differenziert analysieren.“

Diese schlichte Aussage von momorulez bringt das gesamte Problem des Konzeptes von critical whiteness auf den Punkt. Du bist weiss? Dann bist Du Rassist. Ausnahmen nicht möglich. Du hast jetzt nur die Wahl zwischen Verleugnung (was auch wieder rassitisch ist) oder einem demütigen Leben in ewiger Buße.
Weißsein als Erbsünde. Als Haftungsgemeinschaft.

Und natürlich hat man sich als demütiger Weisser auch von Noah Sow beschimpfen zu lassen. Jede Kritik daran (wie kürzlich von Katrin Rönicke geäußert) ist verboten – weil natürlich rassistisch.

Aber hey, Rassist zu sein muss man ja nicht persönlich nehmen:

„Das ist DESKRIPTIV und EMPIRISCH so. Und deshalb auch weder eine Beschämung noch eine persönliche Beschuldigung, sondern zunächst eine Tatsachenfeststellung“.

Klar doch.

Der Ansatz von critical whiteness uns allen ausnahmslos Rassismus zu unterstellen (niemand möchte tatsächlich Rassist sein) ist letztendlich nichts anders als ein Macht- und Herrschaftsinstrument. Susanna14 schreibt dazu sehr zutreffend:

„Menschen einzureden, sie seien schuldig, und anschließend dafür zu sorgen, dass sie auf die Vergebung, die man selbst ihnen anbietet, angewiesen bleiben, ist eine wirksame Methode, sie zu unterwerfen und von sich selbst abhängig zu machen. Sie werden sich ihrer selbst und ihres Urteils unsicher bleiben und stattdessen Bestätigung von außen brauchen. Dies gilt gerade dann, wenn es nichts Konkretes gibt, wegen dessen die Menschen schuldig geworden sind.

Gern hier weiterlesen

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Neusprech Teil 3 – neue Rechtschreibung

„Ich folge einer Konvention der deutschsprachigen Rassismus- und Kritischen Weißseinsforschung und schreibe “Schwarz” durchgängig groß, um auf Ermächtigungspraxen und Widerstandspolitiken hinzuweisen. Da sich Weiße aufgrund ihrer gesellschaftlichen Privilegierung in Bezug auf rassistische Verhältnisse nicht ermächtigen müssen, ist “weiß” klein geschrieben. Die Kursivschreibung hebt das Wort hervor, weil sowohl Schwarz als auch weiß keine essentiellen Bezeichnungen sind, sondern auf gesellschaftliche Konstrukte innerhalb einer Systematik des Rassismus verweisen.

Fundstelle


Schlag auf Schlag

Die Krise der Mädchenmannschaft wird derzeit in einer Reihe von Artikeln und Blogs betrachtet. Hier mal ein Überblick:

 

Die Jungle World gewährt einen ersten Einblick in die Konflikte, die zum Auseinanderfallen der Mädchenmannschaft geführt haben. Hier äußert sich auch erstmals Meredith Haaf zum Problem des Konzeptes „critical whiteness“ innerhalb der Mädchenmannschaft.

„Schon seit längerem hatten einige der Bloggerinnen sich dieser Denkrichtung zugewandt, in dem Blog begannen dafür typische Formulierungen wie »weiß positioniert« üblich zu werden. »Bis vor einigen Monaten geschah das alles in einem vertretbaren Umfang. Das Blog hat davon profitiert, es gab radikalere Positionen, die von Genderwissenschaften unterfüttert waren«, sagt Meredith Haaf, die die »Mädchenmannschaft« 2007 mitgegründet hat. Doch die Orientierung am »Critical White­ness«-Diskurs, die von einigen, teils neu hinzugestoßenen Bloggerinnen immer stärker eingefordert wurde, sei ihr »irgendwann zu weit« gegangen, sagt Haaf.“

„Das Blog sei schließlich gegründet worden, damit »Leute, die sich mit ihren Einwänden gegen Sexismus oder patriarchale Strukturen alleine fühlen, Gleichgesinnte finden können. Und zwar auch Leute, die denken, sie haben davon keinen Plan.« Doch mit dem neuen, »extremen Akademikerjargon« funktioniere das nicht, »das hat den ganzen Sinn des Blogs zerstört«. Das neue strenge Sprachregime ging einher mit einer politischen Dogmatik, die einige der Bloggerinnen befremdete. Ausgerechnet am fünften Geburtstag des Blogs, Ende September, eskalierte dieser Streit derart, dass die »Mädchenmannschaft« daran zerbrochen ist.“

Zum Artikel http://jungle-world.com/artikel/2012/42/46413.html

 

 

Nadia Shehadeh unternimmt den Versuch in ihrem Blog das Ausscheiden der Bloggerinnen aus der Mädchenmannschaft als rein private Entscheidung darzustellen („andere Prioritäten gesetzt….sich mehr der Familie zuwenden….“).

„Was für diese Zeitspanne nachvollziehbar ist, wenn andere Prioriäten (Familie, Job, etc.) beizeiten einfach schwerer wiegen. Bis auf die Fotos/Texte auf der Autor_innen-Seite hatte ich nichts Greifbares, und leider auch kaum oder gar keine Gelegenheit – bzw.: keine Anlässe – mit ihnen in irgendeine Art von Austausch zu kommen. Sie waren de fakto ja eigentlich schon gar nicht mehr dabei, zumindest in meiner Rechnung.“

Zum Artikel http://shehadistan.wordpress.com/2012/10/19/aufstieg-und-fall-der-madchenmannschaft/

 

 

Nadine Lantzsch beklagt sich, dass sie obwohl sie ständig radikaler wird, zunehmend Anfeindungen ausgesetzt sei.

Zum Artikel http://medienelite.de/2012/10/18/die-ach-so-tolle-feministische-blogosphare/

 

(wird weiter aktualisiert)


rape culture ist..

Rape Culture ist wenn:

– ständig betont wird, dass jede Frauen allzeit und überall von Vergewaltigung bedroht sei

– jeder Mann zunächst als potentieller Vergewaltiger definiert werden soll (Schrödingers Vergewaltiger)

– schon dieAnschuldigung eine Vergewaltigung begangen zu haben unabhängig vom Ermittlungsergebnisdie bürgerliche Existenz des Beschuldigten zerstört

– auch ein Freispruch nicht zur gesellschaftlichen  Rehabilitierung führt

– der Beschuldigte auch nach einem Freispruch seinen Beruf nicht mehr ausüben kann

– eine männliche Person als Vergewaltiger besonders verdächtig erscheint, wenn sie wohlhabend und mächtig ist

– wenn sogar bei einer erwiesenen Falschbeschuldigung noch betont wird, dass der Freispruch allen  Opfern sexueller Gewalt schade

– Rechtsstaatlichkeit und Unschuldsvermutung bei Vergewaltigungsverfahren abgelehnt werden

– der Begriff der „Vergewaltigung“ sprachlich auf jede unangemessene oder belästigende sexuelle Handlung als „gewaltvoll“ ausgedehnt werden soll

– eine Person ohne Anklageerhebung mit internationalem Haftbefehl gesucht und ausgeliefert werden soll, damit man die Person zum Vorwurf der Vergewaltigung „befragen“ kann

– ständig behauptet wird es sei wissenschaftlich erwiesen, dass nur 3 % aller Vergewaltigungsanzeigen Falschbeschuldigungen seien, obwohl diese Statistik falsch ist

– eine Falschbeschuldigung in Vergewaltigungsverfahren für die Täterin keine Konsequenzen hat


die feministische Bloggerin

Es gibt inzwischen ja so einige feministische Blogs bzw. private Blogs mit feministischer Ausrichtung. Diese Blogs sind auch mehr oder minder gut vernetzt sind. Interessant ist dabei auch die Frage, wer da eigentlich diese feministischen Texte im Internet schreibt und somit dem Netzfeminismus ein Gesicht gibt. Je öfter und je mehr man diese Blogs, desto mehr scheint sich das Bild der typischen feministischen „Durchschnittsbloggerin“ herauszubilden.

Die typische feminstische Bloggerin scheint weiss,  akademisch und unter 30 zu sein. Das Studium ist oft  noch nicht abgeschlossen. Studienfächer die eine Karriere im Wirtschaftsleben ermöglichen würden ( Medizin, Jura, BWL, Mathematik, VWL etc.)  sind nicht vertreten. Ein klassischer Erwerbsberuf  im Angestelltenverhältnis wird im Regelfall  nicht ausgeübt und oft wohl auch nicht angestrebt.

Oft besteht ein sehr eingeschränkter  finanzieller Spielraum, der dann Gegenstand von zahlreichen Klagen gegen das gesellschaftliche System ist. Überraschend häufig verbreitet sind auch psychische Probleme (Depressionen, Angststörungen etc.) über die mehr oder minder offen refelektiert wird.  Partnerschaft ist im Regelfall kein Thema (Partner ist nicht vorhanden oder wird zumindest nicht erwähnt), was bemerkenswert ist, da sich hier zeigen könnte, ob und wie Feminismus im Alltag funtioniert.

Natürlich entspricht nicht jede feministische Bloggerin in allen Punkten diesem Durchschnittsbild, dass sich ja aus mehreren Merkmalen zusammensetzt. Diesem Beitrag liegt auch keine wissenschaftliche erhebung zugrunde, sondern nur eine persönliche Einschätzung.


EMMA und die Prostitution

Wenn man über „den“ Feminismus schreibt sollte man zumindest grob unterscheiden zwischen dem „alten“ Feminismus, den z.B.  Alice Schwarzer und ihre Zeitschrift EMMA vertreten und dem „neuen“ Feminismus, der sich z.B. bei der mädchenmannschaft wiederfindet. Beide Lager positionieren sich z.B. in Bezug auf dem Umgang mit Prostitution, BDSM aber auch dem politischen Islam oft gegensätzlich.

Der Feminismus in der EMMA führt eigentlich seit ihrer Entstehung einen permanenten (und erfolglosen) Kreuzzug gegen die Legalisierung von Pornographie und Prostitution. Die politische Forderung der EMMA ist das Verbot von Prostitution.

Auf der Startseite der Website der EMMA wird vollmundig für ein Dossier geworben:

„In ganz Europa gilt Prostitution als Verstoß gegen die Menschenwürde. Nur in Deutschland nicht. Warum?“

In ganz Europa? Der kundige Leser runzelt hier schon mal die Stirn. Immerhin ist Prostitution neben Deutschland in folgenden europäischen Ländern legal:
– Österreich

– Schweiz

– Dänemark

– Finnland

– Griechenland

– Niederlande

– Belgien

– Spanien

– Ungarn

In einigen weiteren Ländern wird sie zumindest geduldet.

Ruft man bei EMMA das so gepriesene Dossier auf, heißt es dort plötzlich nur noch:

„Eine Bestandsaufnahme: In ganz Westeuropa wird Prostitution als Verstoß gegen Menschenrechte und Menschenwürde diskutiert, in immer mehr Ländern wird der Kauf sexueller Dienstleistungen bestraft.“

Hoppla. Statt von „ganz Europa“ ist hier plötzlich also nur noch „Westeuropa“ die Rede (was auch nicht stimmt). Und auch die markige Behauptung, dass Prostitution hier (in Westeuropa) unstreitig als Verstoss gegen die Menschenwürde „gilt“ ist jetzt der schwammigen Aussage „wird als Verstoß diskutiert“ gewichen. Ganz so eindeutig wie EMMA es zunächst probagieren möchte ist die europäische Haltung zur Prostitution also nicht.