DefinitionsMACHT

Das Definitionsmachtkonzept geht davon aus, dass der „Betroffene“ einer sexistischen oder rassitischen Diskriminierung allein und verbindlich entscheiden darf, ob er sich gerade durch eine Aussage oder Handlung diskriminiert fühlt, also damit faktisch eine Disriminierung vorliegt.

„Erläuterungen, worin rassistische Verletzungen bestanden haben, sind von RS selten zu hören, was die Auseinandersetzung mit den Vorwürfen schwierig macht. »Sektenartig« nennen andere Campteilnehmer das Auftreten der PoC und der zugehörigen »kritischen Weißen«. »Die wollen eine Diktatur der PoC mit den Mitteln der Moral«, sagt Claudia Gessl von der Gruppe Karawane aus Nürnberg.“ Jungle World

Eine Verteidigung – insbesondere gegen den Vorwurf des Rassismus – ist dabei praktisch nicht möglich und nicht zugelassen. Teilweise wird sogar der Versuch der Verteidigung gegen den Vorwurf als neuerlicher Akt des Rassismus gewertet. Das zeigt insbesondere die aktuelle Diskussion um angeblich rassistische Vorfälle auf der Party zum 5jährigen Bestehen der Mädchenmannschaft.

Die vollständige Umsetzung des Definitionsmachtkonzeptes innerhalb geschlossener Gruppen führt zu einer enormen Machtposition einzelner Personen oder Personengruppen, die das Definitionsrecht für sich in Anspruch nehmen.

Flankiert wird das ganze durch den angeblichen Versuch „sichere Räume“ zu schaffen, also Räume in denen von vornherein jegliche „Verletzung“ ausgeschlossen werden soll. Die Ordnung soll dort im Regelfall durch sogenannte „Awereness Teams“ sichergestellt werden, die ständig die Einhaltung der Regeln überwachen und „Störer“ schnell entfernen.

„Auf zukünftigen Veranstaltungen der Mädchenmannschaft müssen wir für die Anwesenheit von Personen sorgen, die sich kontinuierlich dafür verantwortlich fühlen, diskriminierende Aussagen und Handlungen zu ahnden (Awareness-Team).“ mädchenmannschaft

Das Ganze war auch sehr gut beim „no boarder camp“ 2012 zu beobachten:

PoC nahmen in Köln für sich das Recht in Anspruch, Workshops wegen der Verbreitung von Rassismus absetzen oder Teilnehmer vom Camp ausschließen zu lassen. Abgesetzt wurde ein Workshop der Gruppe Agisra aus Köln, einer autonomen, feministischen Beratungsstelle von und für Migrantinnen. Eine Diskussion über die Gründe lehnte die CW-Fraktion ab. Mehrere Teilnehmer wurden des Camps verwiesen. Eine betroffene Frau aus dem Rhein-Main-Gebiet berichtet, ihr sei keine Begründung genannt worden. »Das geht dich nichts an«, sei ihr gesagt worden. (Jungle World)

Noch einmal: Bereits der Versuch sich in so einer Gruppe gegen den Vorwurf des Rassismus verteidigen zu wollen wird als weiterer rassistischer Akt angesehen:

„Sandra Steinitz verstrickte sich in Rechtfertigungsversuche und derailte die von Dr. Daniele G. Daude und Julia Brilling geäußerte Kritik, Unmut von Teilnehmer_innen of Color und von wenigen weiß positionierten Teilnehmer_innen aus dem Publikum folgte, sowie weiterhin Kritik von Julia Brilling und Dr. Daniele G. Daude an konkreten Aussagen von Sandra Steinitz.“ mädchenmannschaft

Letztendlich dient das (vielleicht gut gemeinte) Konzept der Definitionsmacht nur dazu innerhalb der Szene Machtpositionen zu schaffen, auszubauen und zu erhalten. Kritische Stimmen sollen ausgeschaltet oder „umerzogen“ werden.

„Eine Möglichkeit, uns entsprechend zu sensibilisieren, sehen wir in einem Critical Whiteness Training für die weiß positionierten Autorinnen unter uns, um uns hinsichtlich eigener Privilegien stärker zu sensibilisieren und an Interventionsmöglichkeiten und -verantwortlichkeiten praktisch zu arbeiten. Über weitere Handlungsansätze werden wir uns in der kommenden Zeit informieren und austauschen.“ mädchenmannschaft

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12 Kommentare on “DefinitionsMACHT”

  1. Bombe 20 sagt:

    Und sowas nennt man in diesen Kreisen dann „herrschaftsfreien Diskurs“. Ich mußte gerade an das Gabriel-Laub-Zitat denken: „Der Sklave will nicht frei werden. Er will Sklavenaufseher werden.“

    Aber was treibt diese kritischen Weißen an? Möchten sie umgekehrt gern Sklaven werden?
    Topping from the bottom? Bottoming from the Top? Topping from the bottoming Top? Überlegenheit durch Unterwerfung?
    Irgendwas ist doch da im Busch. Aber manche Abnormitäten sind mir einfach zu hoch…

    B20

    • elitemedium sagt:

      Es gibt ja auch religiöse Menschen, die glauben sie seien Sünder bzw. mit der „Erbsünde“ belastet und müssten daher ihr Leben lang Buße tun und um Vergebung bitten.

      • Bombe 20 sagt:

        Wenn es nur das wäre, würden diese kritischen Weißen halt den ganzen Tag rumlaufen und sich selbst geißeln.

        Aber mit sowas halten sie sich doch überhaupt nicht auf. Ihnen geht es doch um die Etablierung ihres „schlechten Gewissens“ als verbindliche Verhaltensvorschrift für alle, die nicht ausgeschlossen oder der von ihnen okkupieren Veranstaltungen verwiesen werden wollen. Und selbst das ließe sich ja noch dadurch erklären, daß ihr schlechtes Gewissen allen stärker als sie selbst Pigmentierten gegenüber dazu führt, daß sie brav hinter der ersten auffindbaren Sklavenaufseherin oC herpudeln und alles ankläffen, das die für rassistisch erklärt.
        Aber auch dieser Erklärungsversuch versagt doch, wenn sie anfangen, einem schwarzen Flüchtling zu erklären, er dürfe das Wort „Flüchtling“ nicht mehr benutzen, weil es diskriminierend sei.

        Nein, in der Debatte ist ja schon mehrmals darauf hingewiesen worden, daß diese Menschen versuchen, mit ihrem Gestus Macht durch überlegene Moralität zu gewinnen, noch über einen Wettbewerb „ich habe aber das schlechtere Gewissen als Du“ hinaus. Kontrolle durch demonstrative Devotheit – aber nur der erwählten Meisterin gegenüber. Insofern ist Topping from the Bottom vermutlich doch kein passender Vergleich. Man könnte das Gedankengut wie Miriam durchaus als faschistoid bezeichnen.

        Die Frage, die man natürlich gerechterweise stellen muß, ist die, ob solche Leute das vorsätzlich, also aus Machtgier, tun und in der Extreme-Political-Correctness-Sekte nur einen für sie passenden Weg gefunden haben, oder ob es sich hier um einen der Fälle handelt, in denen der Weg in die Hölle mit guten Vorsätzen gepflastert ist.

        Ich muß dabei immer an diesen Film denken, den ich mal im Nachtprogramm gesehen habe. Herbert Wehner im Hotel Lux (nicht der mit Bully Herbig), und bei jedem Klopfen an der Tür, bei jedem Klingeln des Telefons die Frage, haben sie jetzt irgendetwas gefunden, mit dem sie dieses Mal mich belasten können…?
        Wer geht eigentlich trotzdem noch freiwillig auf solche Veranstaltungen?

        Bombe 20

  2. Miriam sagt:

    Das ist Faschismus und Gedankenpolizei. Mehr fällt mir dazu echt nicht ein! Interessanter Text dazu: http://www.akweb.de/ak_s/ak575/23.htm

  3. Luigi sagt:

    Hallo,
    mal zwei Filme über dieses Critical Whiteness Dings Bumms…
    Ich finde leider nichts besseres!

    „Aufführung des AStA Image-Films“

    z.B. ab Minute 25 wird ne „Schwarze“ belehrt über Kolonialismus: Zitat: „…den Holocaust leugnest du ja auch nicht“. usw usw…

    Oder
    „Von Kindesbeinen an — Rassismus: Entstehungsgeschichte,…“


    Ab Minute 2:
    Wer wird dumm angemacht? Natürlich das „weiße HetenCisMännchen“!
    Die anderen haben Migrationshintergrund, sind weiblich, schwarz, oder deren Vorfahren überlebten den Holocaust…
    Das zweite „weiße HetenCisMännchen“ Michel Friedmann schützte wohl eher seine als radikalfeministische und antisexistische bekannte Doppelexistenz namens Paolo Pinkel 😉

    Und von wem wird er geshitstormed? 😉
    Absolut perfektes Muster: Der weiße, männliche, heterosexuelle, vielleicht christliche Untermensch gegen die schwarze, weibliche, vielleicht lesbische, vielleicht muslimische Herrenmensch_in. 😉

    So ab Minute 10.20 kommt noch was über DefinitionsMACHT…
    Zum Ende was über Deutschenfeindlichkeit und warum sowas überhaupt nicht gibt. Geht dann weiter im folgendem Video Teil 8.

    Ich finde dieses „critical White“ sehr leicht verständlich als Malus-System:
    Malus Nummer 1: weiß
    2: männlich
    3: heterosexuell
    4: das biologische Geschlecht entspricht dem sozialem, Äußerem?, Erscheinungsbild, Verhalten?… 😉
    5: nicht behindert…

  4. Erinnert an extreme Formen der Psychoanalyse. Wenn du der Deutung zustimmst hat der Therapeut recht. Wenn du die Deutung zurückweist ist das Widerstand und -man rate- ein Zeichen dass der Therapeut recht hat^^ Natürlich überspitzt.
    Aber es macht im Endeffekt keinen Sinn, weder für die „opfer“ noch für die „täter“. Jemand mit einer psychischen Erkrankung sieht die Welt ja auch nur durch eine bestimmte perspektive und ziel der therapie ist dann, diese perspektive zu erweitern und deutlich zu machen dass nicht jedes verhalten anderer abwertend/böse/zurückweisend gemeint ist und zu differenzieren. Es gibt schließlich auch sich selbst erfüllende Prophezeiungen, die im schlechtesten Fall dieses weltbild zementieren, wo einem alle Böses wollen (oder eben alle Mitglieder einer bestimmten Gruppe) weil es tatsächlich dazu führt, dass andere negativ reagieren (im bezug auf das obige Weltbild wäre ich jetzt z.B. eine rassistische Victim Blamerin und mal wieder ein Beweis dafür wie schlecht die Welt ist.)
    Öhm ja. Das wurde hetzt ein langer Kommentar.

  5. Bombe 20 sagt:

    Etwas verspätet bin ich über diesen Bericht gestolpert, der ein kleines Bißchen Erhellung in die Vorgänge bringt (, und als Satire verstanden sogar recht vergnüglich zu lesen ist):
    https://linksunten.indymedia.org/de/node/64408

    Als Beschreibung realer Ereignisse gelesen ist das Ganze allerdings extrem gruselig. Weit ist es vermutlich nicht mehr, bis wir davon hören werden, daß dissidentische Bewegungsschädlinge für den Rest der Campdauer interniert wurden…

    Gut auf den Punkt bringt es vermutlich dieser Kommentar:

    diese leute haben ihre ganze energie darauf verwendet, anderen camp-teilnehmenden das leben zur hoelle zu machen […] imho geht es bei cw auch garnicht darum, die lebenssituation anderer zu verbessern, sondern zu verschlechtern.

    B20

    (Und solche Leute lachen darüber, wenn Trekkies Spaß an Technobabble haben…)


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