Neusprech Teil 2

Ein Fundstück, dass wir  Euch nicht vorenthalten möchten:

Wir suchen jemensch, die_der sich nicht cis-männlich positioniert, sich ähnlich verortet bzw sich für ähnliche Themen interessiert und ihre_seine Gedanken, Prozesse etc gerne mit anderen teilt, auch vegan lebt oder vegan leben möchte, keine fertige WG erwartet und die_der eher oft als selten in der WG wäre und dort öfter zusammen sein möchte. Wir suchen jemensch, die_der Positionen-aware ist und bei der_dem marginalisierte/unpriviligierte Perspektiven vorrangigen Raum bekommen. Perspektivisch möchten einige oder vlt auch alle von uns ein gemeinsames HausProjekt gründen. Wir sind schon auf der Suche, aber bisher erfolglos.

hier wohnen sowohl weiblich als auch männlich erstsozialisierte Personen, einige haben einen Mittelklassebackground und andere haben Klassenwechsel erlebt. Eine Person ist negativ von Rassismus betroffen und die anderen drei sind weiß positioniert.

http://www.forum-3dcenter.org/vbulletin/archive/index.php/t-532527.html

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DefinitionsMACHT

Das Definitionsmachtkonzept geht davon aus, dass der „Betroffene“ einer sexistischen oder rassitischen Diskriminierung allein und verbindlich entscheiden darf, ob er sich gerade durch eine Aussage oder Handlung diskriminiert fühlt, also damit faktisch eine Disriminierung vorliegt.

„Erläuterungen, worin rassistische Verletzungen bestanden haben, sind von RS selten zu hören, was die Auseinandersetzung mit den Vorwürfen schwierig macht. »Sektenartig« nennen andere Campteilnehmer das Auftreten der PoC und der zugehörigen »kritischen Weißen«. »Die wollen eine Diktatur der PoC mit den Mitteln der Moral«, sagt Claudia Gessl von der Gruppe Karawane aus Nürnberg.“ Jungle World

Eine Verteidigung – insbesondere gegen den Vorwurf des Rassismus – ist dabei praktisch nicht möglich und nicht zugelassen. Teilweise wird sogar der Versuch der Verteidigung gegen den Vorwurf als neuerlicher Akt des Rassismus gewertet. Das zeigt insbesondere die aktuelle Diskussion um angeblich rassistische Vorfälle auf der Party zum 5jährigen Bestehen der Mädchenmannschaft.

Die vollständige Umsetzung des Definitionsmachtkonzeptes innerhalb geschlossener Gruppen führt zu einer enormen Machtposition einzelner Personen oder Personengruppen, die das Definitionsrecht für sich in Anspruch nehmen.

Flankiert wird das ganze durch den angeblichen Versuch „sichere Räume“ zu schaffen, also Räume in denen von vornherein jegliche „Verletzung“ ausgeschlossen werden soll. Die Ordnung soll dort im Regelfall durch sogenannte „Awereness Teams“ sichergestellt werden, die ständig die Einhaltung der Regeln überwachen und „Störer“ schnell entfernen.

„Auf zukünftigen Veranstaltungen der Mädchenmannschaft müssen wir für die Anwesenheit von Personen sorgen, die sich kontinuierlich dafür verantwortlich fühlen, diskriminierende Aussagen und Handlungen zu ahnden (Awareness-Team).“ mädchenmannschaft

Das Ganze war auch sehr gut beim „no boarder camp“ 2012 zu beobachten:

PoC nahmen in Köln für sich das Recht in Anspruch, Workshops wegen der Verbreitung von Rassismus absetzen oder Teilnehmer vom Camp ausschließen zu lassen. Abgesetzt wurde ein Workshop der Gruppe Agisra aus Köln, einer autonomen, feministischen Beratungsstelle von und für Migrantinnen. Eine Diskussion über die Gründe lehnte die CW-Fraktion ab. Mehrere Teilnehmer wurden des Camps verwiesen. Eine betroffene Frau aus dem Rhein-Main-Gebiet berichtet, ihr sei keine Begründung genannt worden. »Das geht dich nichts an«, sei ihr gesagt worden. (Jungle World)

Noch einmal: Bereits der Versuch sich in so einer Gruppe gegen den Vorwurf des Rassismus verteidigen zu wollen wird als weiterer rassistischer Akt angesehen:

„Sandra Steinitz verstrickte sich in Rechtfertigungsversuche und derailte die von Dr. Daniele G. Daude und Julia Brilling geäußerte Kritik, Unmut von Teilnehmer_innen of Color und von wenigen weiß positionierten Teilnehmer_innen aus dem Publikum folgte, sowie weiterhin Kritik von Julia Brilling und Dr. Daniele G. Daude an konkreten Aussagen von Sandra Steinitz.“ mädchenmannschaft

Letztendlich dient das (vielleicht gut gemeinte) Konzept der Definitionsmacht nur dazu innerhalb der Szene Machtpositionen zu schaffen, auszubauen und zu erhalten. Kritische Stimmen sollen ausgeschaltet oder „umerzogen“ werden.

„Eine Möglichkeit, uns entsprechend zu sensibilisieren, sehen wir in einem Critical Whiteness Training für die weiß positionierten Autorinnen unter uns, um uns hinsichtlich eigener Privilegien stärker zu sensibilisieren und an Interventionsmöglichkeiten und -verantwortlichkeiten praktisch zu arbeiten. Über weitere Handlungsansätze werden wir uns in der kommenden Zeit informieren und austauschen.“ mädchenmannschaft


Politischer Feminismus

Ein Grundproblem des Feminismus als politische Bewegung ist die Selbstversicherung der eigenen Bedeutsamkeit. (Feminismus gibt es nun schon eine ganze Weile, Alice Schwarzer z.B. wird 70.)Feminismus muss es daher vermeiden als schwach und gesellschaftlich irrelevant wahrgenommen zu werden. Deswegen wird auf der einen Seite oft und gerne betont wiviel Feminismus bereits „für die Frauen erreicht habe“.

Auf der anderen Seite muss der Feminismus dagegen ankämpfen, dass die Gleichberechtigung/Gleichstellung von Mann und Frau als vollzogen angesehen wird, denn dann würde er durch Zweckerreichung überflüssig werden.

Feminismus benötigt als Argumentationsgrundlage also die Behauptung schon sehr viel erreicht zu haben und gleichwohl sich noch immer im Zustand der Unterdrückung zu befinden.

Feminismus lebt also politisch davon politisch unerfüllte Forderungen beständig anzuprangern und bereits erfüllte Forderungen durch neue, noch weitergehende Forderungen zu ersetzen.


Kritikfähig

Nadine Lantzsch tritt ja ein für Herrschaftskritik, Diversität und sensiblen nichtdiskriminierenden Umgang mit Sprache. Naja, es sei denn Sie selbst wird irgendwie Gegenstand von Kritik.


Neues aus Neusprechland

Die neuesten* Sprachverrenkungen aus dem politisch korrekten Neusprechland: 

Wenn Homosexualität gemeint ist wird nicht mehr von „sexueller Orientierung“ sondern von „sexueller Positionierung“ gesprochen. (Hier)

Statt von Mann oder Frau wird schon seit längerem die Bezeichnung „männlich bzw. weiblich sozialisierte Person“ verwendet. Neueste Entsdeckung „männlich gelesene Person“ bzw. „weiblich gelesene Person“ denn: Geschlecht soll ja nur ein „Konstrukt“ der Gesellschaft sein.

*oder zumindest von uns aktuell entdeckten