Unruhe

Radikalfeministische Positionen sind auch im Netz immer schwerer vermittelbar. Zumindest dann, wenn man ein größeres Publikum ansprechen möchte, als einen aus 20 Personen bestehenden harten Kern Gleichgesinnter. Es scheint, als hätten auch immer weniger profeministische Frauen und Männer Verständnis dafür, wenn Ihnen unter dem Deckmantel des Feminismus quasi als Erbsünde des Weißseins Rassismus unterstellt oder die normale Familienbeziehung mit Kindern als „triggernde heteronormative Inszenierung“ angegriffen wird.

Die anwachsende Wut über einige selbsternannte Meinungsführerinnen im Diskurs wird immer dann deutlich, wenn in Blogs mal nicht so rigide jeglicher Kommentar weggelöscht, der sich irgendwie kritisch mit den radikalfeministischen Positionen auseinandersetzt. So brachte es der Artikel von Katrin Rönicke, der sich kritisch mit der angeblich triggernden Heterofamilie auseinandersetzt auf stolze 90 Kommentare. Von solchen Zahlen kann man bei der ädchenmannschaft nur träumen, wo die nach der Zensurkontrolle veröffentlichten (!) Kommentare sich meist in seichtem Applaus erschöpfen dürfen.  

„Was für ein schöner Text! Und nebenbei – wenn auch off-topic bzw. eigentlich auch off-mädchenmannschaft – noch schnell: Tolle Texte auch auf medienelite in letzter Zeit! Und ohgottohgott zu den an mancher Stelle erfolgten Reaktionen dazu… Naja, aber ist ja wie gesagt off-topic hier…. Sorry.“

Sehr goldig.

Bezeichnend in diesem Zusammenhang auch einige aktuelle Artikel auf radikalfemistischen Blogs, die ziemlich angesäuert mit ihrer Zielgruppe sind:

 So sieht sich Nadine Lantzsch auf medienelite genötigt wegen anhaltender Kritik an ihren Positionen Solidarität von anderen Feministinnen gegen externe Kritik ausdrücklich einzufordern.

Ich habe allerdings kein Verständnis dafür, wenn hier auf Kosten vieler Politik für wenige gemacht wird. Zumal sich teilweise in Zeiten des Streits und Widerspruchs auch mit Leuten zusammengeschlossen wird, die ganz offen antifeministische, rassistische oder sexistische Einstellungen pflegen und hofieren. Das ist unsolidarisch und schadet letztlich allen queer-/feministischen Aktivist_innen im Netz. Ich möchte daher zum Schluss nochmal daran erinnern, dass Solidarität auch ohne aktiven Zuspruch bekundet werden kann, Spaltungen notwendig und gut sind und eigene Abwehrreflexe nicht immer in geifernden Texten enden müssen, die eigentlich nur aussagen, dass marginalisierte Positionen doch bitte leise sein sollen.

Bei High on cliches wird dem geneigten Leser gleich mal erklärt, dass sein Ärger über die ständigen Anschuldigungen und seine Äußerung von Kritik an radikalfeministischen Positionen , nichts anders sei als „Abwehrverhalten“ – also damit quasi die Bestätigung des Unterstellten.

 „Was wir hier erlebt haben, wertes Publikum, ist Abwehrverhalten. Es setzt dann ein, wenn man sehr wohl erkennt, dass es ein Problem gibt, an dem man darüber hinaus beteiligt ist, dieses Gefühl aber – verständlicherweise – so unangenehm findet, dass man darauf verzichten möchte, sich in Ruhe damit zu beschäftigen und stattdessen mitten in die Diskussion platzt, um das eigene Ego wieder aufzubauen.“

 Hier stellt sich die Frage, wer gerade dabei ist sein Ego wieder aufzubauen.

 Bei Sanczny werden dem Leser als vermeintliche Fragen formulierte Vorwürfe an den Kopf geworfen.

 Liebe Nicht-Feminist_innen, die Ihr Euch beklagt, Euch von Feministen [sic!] ausgeschlossen zu fühlen: Könnt ihr mal bitte erklären, wieso ihr euch klar gegen Feminismus positioniert und trotzdem meint, der Ausschluss ginge von Feminist_innen aus, und nicht von euch, die ihr gar nicht mitmachen wolltet? Und wenn ihr schon mal dabei seid: (blablabubber)

 Wer die Moderationspolitik dieses Blogs kennt, der weiß, die hier angefragten „Nicht-Feministinnen“ werden dort kaum die Gelegenheit zu einer Antwort auf die von sanczny an sie gestellten „Fragen“ bekommen…

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2 Kommentare on “Unruhe”

  1. Chriss sagt:

    Hallo,

    ich lese schon seit langen keine Kommentare in feministischen Blogs mehr, da sie ja in 99% der Fälle nur eine lauwarme Version des Artikels sind.

    Vielen dank für den Hinweis.

    Die 90 Kommentare bei Katrin waren exquisite. 🙂

  2. hottehü sagt:

    „abwehrverhalten“ ist das neue feministische totschlagargument, mit dem man sich unliebsame einwände vom halse zu halten und in die ecke des irrationalen, reflexhaften verhaltens abzuschieben versucht.
    der vorwurf von „abwehrverhalten“ sichert die eigene moralisch erhabene position, immunisiert gegen argumente, garantiert und legitimiert das eigene rechthaben:
    wenn der „beschuldigte“ seine missetaten eingesteht, ist er schuldig, und wenn er sie abwehrt ebenfalls. es steht also von vornherein fest, dass der beschuldigte schuldig ist im sinne der feministischen anklage.


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