Östrogengetränkt

„Es war ein glasklarer Sieg. Bei allem Gerangel um mögliche Kombinationen an der Doppelspitze ist eins unbestritten: Kai Kipping erhielt auf dem Parteitag der Linken in Göttingen mit Abstand die meisten Delegiertenstimmen. 67,1 Prozent, (…) Am liebsten hätte Kipping die Partei mit einer männlichen Doppelspitze geführt. Er wollte ursprünglich gemeinsam mit dem NRW-Landesvorsitzenden Karl Schwabedissen, der wie Kipping als Maskulist gilt, zur Wahl antreten. Im Zuge der Flügelkämpfe zog Schwabedissen seine Kandidatur aber zurück. (…) Er setzt auf einen anderen, weniger östrogengetränkten Führungsstil. „Der Versuch, mit autoritärer weiblicher Stimme die Einheit der Partei zu sichern, ist jetzt über viele Jahre erfolglos versucht worden. Es kommt auf einen Wechsel der Tonlage an.“ Nachfolgend ein Porträt von Kai Kipping aus dem Buch „Herrenwahl“, herausgegeben von Alice Schwarzer.“

Klingt irgendwie komisch und frauenfeindlich?

Hoppla, richtig muss es natürlich heißen:

Es war ein glasklarer Sieg. Bei allem Gerangel um mögliche Kombinationen an der Doppelspitze ist eins unbestritten: Katja Kipping erhielt auf dem Parteitag der Linken in Göttingen mit Abstand die meisten Delegiertenstimmen. 67,1 Prozent, (…) Am liebsten hätte Kipping die Partei mit einer weiblichen Doppelspitze geführt. Sie wollte ursprünglich gemeinsam mit der NRW-Landesvorsitzenden Katharina Schwabedissen, die wie Kipping als Feministin gilt, zur Wahl antreten. Im Zuge der Flügelkämpfe zog Schwabedissen ihre Kandidatur aber zurück. (…) Sie setzt auf einen anderen, weniger testosterongetränkten Führungsstil. „Der Versuch, mit autoritärer männlicher Stimme die Einheit der Partei zu sichern, ist jetzt über viele Jahre erfolglos versucht worden. Es kommt auf einen Wechsel der Tonlage an.“ Nachfolgend ein Porträt von Katja Kipping aus dem Buch „Damenwahl“, herausgegeben von Alice Schwarzer.

Quelle: EMMA


Unruhe

Radikalfeministische Positionen sind auch im Netz immer schwerer vermittelbar. Zumindest dann, wenn man ein größeres Publikum ansprechen möchte, als einen aus 20 Personen bestehenden harten Kern Gleichgesinnter. Es scheint, als hätten auch immer weniger profeministische Frauen und Männer Verständnis dafür, wenn Ihnen unter dem Deckmantel des Feminismus quasi als Erbsünde des Weißseins Rassismus unterstellt oder die normale Familienbeziehung mit Kindern als „triggernde heteronormative Inszenierung“ angegriffen wird.

Die anwachsende Wut über einige selbsternannte Meinungsführerinnen im Diskurs wird immer dann deutlich, wenn in Blogs mal nicht so rigide jeglicher Kommentar weggelöscht, der sich irgendwie kritisch mit den radikalfeministischen Positionen auseinandersetzt. So brachte es der Artikel von Katrin Rönicke, der sich kritisch mit der angeblich triggernden Heterofamilie auseinandersetzt auf stolze 90 Kommentare. Von solchen Zahlen kann man bei der ädchenmannschaft nur träumen, wo die nach der Zensurkontrolle veröffentlichten (!) Kommentare sich meist in seichtem Applaus erschöpfen dürfen.  

„Was für ein schöner Text! Und nebenbei – wenn auch off-topic bzw. eigentlich auch off-mädchenmannschaft – noch schnell: Tolle Texte auch auf medienelite in letzter Zeit! Und ohgottohgott zu den an mancher Stelle erfolgten Reaktionen dazu… Naja, aber ist ja wie gesagt off-topic hier…. Sorry.“

Sehr goldig.

Bezeichnend in diesem Zusammenhang auch einige aktuelle Artikel auf radikalfemistischen Blogs, die ziemlich angesäuert mit ihrer Zielgruppe sind:

 So sieht sich Nadine Lantzsch auf medienelite genötigt wegen anhaltender Kritik an ihren Positionen Solidarität von anderen Feministinnen gegen externe Kritik ausdrücklich einzufordern.

Ich habe allerdings kein Verständnis dafür, wenn hier auf Kosten vieler Politik für wenige gemacht wird. Zumal sich teilweise in Zeiten des Streits und Widerspruchs auch mit Leuten zusammengeschlossen wird, die ganz offen antifeministische, rassistische oder sexistische Einstellungen pflegen und hofieren. Das ist unsolidarisch und schadet letztlich allen queer-/feministischen Aktivist_innen im Netz. Ich möchte daher zum Schluss nochmal daran erinnern, dass Solidarität auch ohne aktiven Zuspruch bekundet werden kann, Spaltungen notwendig und gut sind und eigene Abwehrreflexe nicht immer in geifernden Texten enden müssen, die eigentlich nur aussagen, dass marginalisierte Positionen doch bitte leise sein sollen.

Bei High on cliches wird dem geneigten Leser gleich mal erklärt, dass sein Ärger über die ständigen Anschuldigungen und seine Äußerung von Kritik an radikalfeministischen Positionen , nichts anders sei als „Abwehrverhalten“ – also damit quasi die Bestätigung des Unterstellten.

 „Was wir hier erlebt haben, wertes Publikum, ist Abwehrverhalten. Es setzt dann ein, wenn man sehr wohl erkennt, dass es ein Problem gibt, an dem man darüber hinaus beteiligt ist, dieses Gefühl aber – verständlicherweise – so unangenehm findet, dass man darauf verzichten möchte, sich in Ruhe damit zu beschäftigen und stattdessen mitten in die Diskussion platzt, um das eigene Ego wieder aufzubauen.“

 Hier stellt sich die Frage, wer gerade dabei ist sein Ego wieder aufzubauen.

 Bei Sanczny werden dem Leser als vermeintliche Fragen formulierte Vorwürfe an den Kopf geworfen.

 Liebe Nicht-Feminist_innen, die Ihr Euch beklagt, Euch von Feministen [sic!] ausgeschlossen zu fühlen: Könnt ihr mal bitte erklären, wieso ihr euch klar gegen Feminismus positioniert und trotzdem meint, der Ausschluss ginge von Feminist_innen aus, und nicht von euch, die ihr gar nicht mitmachen wolltet? Und wenn ihr schon mal dabei seid: (blablabubber)

 Wer die Moderationspolitik dieses Blogs kennt, der weiß, die hier angefragten „Nicht-Feministinnen“ werden dort kaum die Gelegenheit zu einer Antwort auf die von sanczny an sie gestellten „Fragen“ bekommen…