Ausgrenzung und Verrat

Die im Blog Leftest Elite heftig geführte Diskussion um einen Artikel der zuvor im Blog medienelite zur angeblichen Privilegierung heterosexueller Mütter und die „Triggerwirkung von Kindern“ zeigt abseits vom Austausch der Sachargumente sehr deutlich, wie stark Gruppendruck und Ausgrenzungsmechanismen in einigen feministischen Gruppen ausgeprägt sind.

Das Beginnt schon mal damit, dass einige Kommentare Kritik an Nadine Lantzsch schon per se als unzulässig ablehnen oder zumindest immer wieder unterstellen, das Ziel der Kritik sei ja eigentlich nur eine persönliche Rechnung zu begleichen. Das ist bemerkenswert, denn üblicherweise sind es die gleichen Feministinnen, die sich sonst darüber aufregen, dass eine Sachauseinandersetzung unter Frauen immer als „Zickenkrieg“ dargestellt werde, die nun mit dem gleichen Argumentationsmuster dieser Sachdiskussion die Legitimität absprechen wollen.

Weitherhin wird die Notwendigkeit betont, dass Feministinnen sich zumindest öffentlich nicht gegenseitig kritisieren dürften. Eine anonyme Kommentatorin (bei der es ausgehend von der Wortwahl vermutlich um @sanczny handelt) versucht gar nicht erst sachbezogene Argumente zu finden, sondern bringt es gleich auf den Punkt: Kritik an Nadine Lantzsch von feministischer Seite ist unzulässig, weil Nadine ja schon von Personen kritisiert wurde, die als „Gegner“ gebranntmarkt sind.

Katrin: Die Tatsache, dass Evo-Christian, das Nadine-Stalk-Blog und Mela sich mit Dir solidarisieren (fehlt eigentlich nur noch Malte Welding, aber das kommt bestimmt noch), zeigt m.E., dass Du das Problem von der falschen Seite her betrachtest.“

Der gleiche Vorwurf wird von dieser Person dann später noch mehrmals wiederholt:

Ich finde es einfach krass, dass Du duldest, wie Nadine hier von einigen übel beleidigt, verspottet und verleumdet wird. Und dass es Dich nicht stört, welche_r so Deine Argumente aufgreift.“

Ich möchte daran erinnern, dass bereits einige Blogs auf Nadine losgegangen sind, und ich hätte von einem feministischen Blog zumindest erwartet, dass ad hominem Argumentationen wenn nicht unterbunden, dann doch wenigstens kritisiert werden.“

Ein Kommentar stellt dann auch fest:

unabhängig aller meinungsverschiedenheiten die allseitig existieren mögen, würde ich an dieser stelle doch mal ganz klar festhalten wollen: hier herrscht ein klima der angst und das liegt sicher nicht daran, dass menschen absurde oder gestörte meinungen haben und deswegen gebasht werden.das würde ich an deiner stelle mal hinterfragen. unabhängig von personen und rein sachbezogen.“

Wie stark die Ausgrenzung von „Abweichlern“ und deren Stigmatisierung als „Verräterinnen“ funktioniert wird bei einem Kommentar von Katrin selbst gerichtet an Helga Hansen von der Mädchenmannschaft deutlich:

Ich bin Feministin und wir haben früher einmal sehr produktiv zusammengearbeitet. Ich finde diese Gräben schrecklich und ich weiß: mit Nadine Lantzsch komme ich halt nicht mehr zusammen. Das ist für mich okay. Das habe ich akzeptiert. Aber ich würde gerne wieder mit allen anderen reden können, ohne dass ich das Gefühl habe, eine “Verräterin” zu sein.“

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One Comment on “Ausgrenzung und Verrat”

  1. Tim sagt:

    Weitherhin wird die Notwendigkeit betont, dass Feministinnen sich zumindest öffentlich nicht gegenseitig kritisieren dürften.

    Das sieht er hier ganz genauso.


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