Warum der Feminismus ein Vermarktungsproblem hat

Feminismus hat ganz klar ein Vermarktungsproblem, dass  aus folgendem Widerspruch resultiert. Einerseits beteuern seine Anhänger immer wieder, dass der Feminismus ja  „für alle“ gut sei und es dabei keineswegs darum gehe Frauen gegen Männer auszuspielen. „Alles ganz easy flauschig – Du magst Menschen? Dann bist Du ja quasi schon Feminist. Du weisst es nur nicht.“ Nichts sei daher einfacher als Mann dem Feminismus beizutreten.

    • „Ein moderner Feminismus lässt die Männer nicht außen vor, sondern wendet sich ganz bewusst auch an sie und nicht nur an Frauen. Und immer mehr Männer merken: Feminismus macht auch ihr Leben besser.“ Quelle: Alphamädchen: Eine Runde Feminismus für die Männer

  • „Diese Praxis ist aber nicht auf Frauen beschränkt. Auch Männer und alle anderen Geschlechter können – und sollten – sich daran beteiligen. Denn es geht nicht um Lobbyarbeit für Fraueninteressen, sondern um eine Welt, in der gutes Leben für alle Menschen möglich ist.“Quelle: Fünfzehn Thesen zu Feminismus und Postgender

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Die harte Realität sieht dann freilich anders aus. Denn als „privilegierter weisser Mann“ hat man unter Feministinen nicht viel zu melden. In der dort real existierenden Szenehierarchie ist man ganz ganz unten. Von dem ganzen „wir sind doch ALLE Feministen“ bleibt nicht viel übrig, wenn man(n) sich nicht ständig in Selbstgeißelung übt.

  • „Was NICHT der Job des Feminismus ist. Es ist nicht der Job des Feminismus sicherzustellen, dass Männer weinen dürfen (wie auch @korbinian neulich getwittert hat und @laprintemps, die auch zu glauben scheint, der Feminismus sei für das Wohl der Männer verantwortlich  – Caretaking Feminism – hat es retweetet). Mann/Frau kann das durchaus gut finden, aber warum sollte man es den Feministinnen als Verantwortung auferlegen?

 

  • „Und nebenbei bemerkt: Viele männliche Heulsusigkeiten können Feministinnen (und nicht nur denen) auch mit Recht gehörig auf den Geist gehen. Nicht zuletzt ist männliche Wehleidigkeit und der damit verbundene Ruf nach weiblicher Fürsorge auch Teil männlicher Dominanz. Tarnt sich halt als Schwäche. (…) Was ich sagen will: oppositionelle Bewegungen, die sich für die Emanzipation Benachteiligter und Unterdrückter einsetzen sind einfach nicht dafür zuständig, sich um das Wohlergehen Aller zu kümmern.“ Quelle: Der Feminismus kauft Dir keine Schokoladenfabrik, Genosse!

 

  • „Ihr habt euch mit euren Geschlechterrollen auseinandergesetzt, habt gegrübelt und eure Identitäten hinterfragt, wart sauer und bestürzt und habt irgendwann beschlossen, das wollt ihr ändern. Ihr twittert antisexistische Parolen, bloggt gegen Diskriminierung und demonstriert gegen Lohnungleichheit. Und dann habt ihr eure Gefühle entdeckt. „
  • „Ist euch aufgefallen, dass ihr die einzigen seid, die ihre großen und kleinen Traurigkeiten ungefiltert und unendlich oft in die Feministeria ballern? Wieso seid ihr der Ansicht, einen Raum wie den queer/feministischen Netzkosmos mit euren Whiteboyproblems beschäftigen zu müssen? Habt ihr mal darüber nachgedacht, dass ihr mit euren vielen Tränen Ressourcen fresst, die andere sowieso schon weniger zur Verfügung haben als ihr, weil sie nicht mit dem goldenen Panzer des weißen Dudes gerüstet sind? Wieso paradiert ihr euer Privileg in unsere Gesichter? Subtile Selbstironie, die ich beim Club der Schmerzensschmerzen e.V. bisher nicht erkannt habe, würde das auch nicht entschuldigen.Wie ihr diese Widersprüche löst, ist nicht mein Problem. Es ist eure Pflicht, um mal einen eher archaischen Begriff zu benutzen.“ Quelle: Muskelkater vom maulen – die Sache mit den Schmerzensboys

 

  • „Auf einem Ladyfest, das die ersten Tage über für alle Gender offen war und die letzten nur noch für tlf*, hat sich ein männlich sozialisierter Mensch zB darüber pikiert, dass Männer* auf diesem Wege ja niemals erfahren könnten, was sie „falsch machen“. Ihm wurde dann richtigerweise entgegnet, dass er ja eine eigene Veranstaltung organisieren könnte.“ http://viruletta.blogsport.de/2012/03/26/deine-privilegien-deine-verantwortung#comment-9

 Tja Hoppla! Der Feminismus ist zwar gut für Menschen, aber Männer – belästigt bitte nicht die feministischen Frauen mit Euren lächerlichen kleinen Problemchen!
Das ganze erinnert ein wenig an eine Religion, die zwar massiv missioniert, aber den „Konvertierten“ nie die Anerkennung eines wahren Gläubigen zukommen lässt.

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3 Kommentare on “Warum der Feminismus ein Vermarktungsproblem hat”

  1. Ja, es scheint nur Unterordnung, keine Mitsprachemöglichkeit zu geben. Warum das dann gut sein soll, wenn man seine Meinung nicht sagen darf und die eigenen Wünsche, Sorgen und Ängste nicht zählen ist mir auch nicht wirklich verständlich

    Die Grundgleichung Frauen=gut, Männer=schlecht, deswegen Frauen bestimmen=auch gut und Männer machen, was Frauen bestimmen=erst recht gut überzeugt mich nicht wirklich

    Sie ist ohne eine kulturelle Überbewertung des weiblichen (oder gar eine biologische Überbewertung) auch nicht zu verstehen

  2. Bleichgemächt sagt:

    Ich las die verlinkten Artikel.

    Dort habe ich viel von Schwänzen komma weiss und Dudes gelesen.
    Wenn das ein repräsentatives Schnittbild von Feminismus sein soll, dann hat dieser mehr als nur ein Vermarktungsproblem.

    Anders gesagt, wenn ich die Wortwahl mal invertiere, wähne ich mich in einem texanischen Truckstop. Kein Ort, von dem ich mir die Lösung auch nur eines Problemes verspräche.


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