Lord of the Flies

Da trifft sich also eine Gruppe junger Menschen zu einem aufregenden Wochenende in St. Georgen. Die jungen Leute gehören zu den Falken einer „sozialistischen Jugendgruppe“. Man versucht im kleinen die Idealgesellschaft zu spielen, von der man im Großen träumt:

Wir haben versucht, eine Infrastruktur zu schaffen, in der möglichst vielen Teilnehmer_innen möglichst viel (sicherer) Raum gegeben werden konnte: Es gab ein Medienzimmer mit Büchern, Podcasts und Zines, in das man sich zurückziehen konnte, wenn man ein bisschen Ruhe wollte, es gab einen Frauen_Lesben_Trans*-Raum, der von der Gruppe als solcher respektiert wurde und ein Awarenessteam1. Eine Gruppe hatte am Freitag das meist warme, vegane Essen vorbereitet und vorgekocht, sodass im Laufe des Wochenendes nicht mehr ganz soviel Küchenarbeit anfiel. Für die nichtvegane Ernährung gab es morgens Käse und Wurst aufs Brötchen. Aufgaben wie Spülen, Putzen, Wischen oder Tisch decken übernahmen die Teilnehmer_innen gemeinsam und ich hatte den Eindruck, dass sich alle dafür verantwortlich fühlten und jede_r da anpackte, wo sie_er konnte.

Hossa – der Kommunismus ist da! Leider hat man dabei wohl neben dem gesonderten Frauen_Lesben_Trans*-Raum den gesonderten Raum für alle die leider nicht Frauen_Lesben_Trans* sind vergessen. Aber wer wird da kleinlich sein wenn sonst alles so supi läuft.

Auch die Ideale Gesellschaft benötigt natürlich ein paar Grundregeln:

„Gleich zur Begrüßung stellten wir das Definitionsmacht-Konzept vor und erklärten, warum wir uns vorab dafür entschieden hatten.“

Mit „wir“ ist hier vermutlich das „Orga-Team“ gemeint, dass sich „dafür entschieden hatte“, dass sich die teilnehmenden Jugendlichen diesem Konzept in den nächsten Tagen unterzuordnen hätten.

„Alles in allem hatte ich ein wahnsinnig ermutigendes, erhellendes, lehrreiches, anstrengendes, aufwühlendes, schönes und verheißungsvolles Wochenende.“

Scheint dann ja auch ganz toll funktioniert zu haben. Fast.

In der gemeinsamen Reflektionsrunde am Sonntag, außerdem in Gesprächen unter vier Augen und in einer Feedback-Email äußerten sich mehrere Teilnehmer über die Atmosphäre am Wochenende. Männer* schilderten: Sie haben sich angespannt gefühlt, hatten Angst, etwas falsches zu sagen oder zu tun, fühlten sich durch das als aggressiv empfundene Vorstellen des Definitionsmacht-Verfahrens vorverurteilt oder als Mann unter Generalverdacht gestellt. Die Definitionsmacht am ersten Abend und während der Begrüßung zu erklären, habe einen negativen Ausblick hergestellt, stattdessen hätte man sich vorfreudig auf die schöne gemeinsame Zeit berufen sollen. Dass der Umgang mit einer Grenzüberschreitung teilweise innerhalb der ganzen Gruppe stattfand, wurde als störend und bedrückend für das Gruppenklima empfunden. Manche Männer* und eine Frau* äußerten, dass sie das gesamte Wochenende über einen Zwang zu Political correctness und zu Harmonie empfunden haben und sich dadurch nicht frei fühlen konnten.

Das klingt ja nicht mehr GANZ so harmonisch. Zwang zur political corectness? Unfreiheit? Aber nicht mit dem feministisch geschulten Orga Team! Hier musste dringend mal was klargestellt werden:

„Wenn du mackerisch bist, muss es sich scheiße anfühlen, wenn andere dein Mackerverhalten angreifen. Wenn du sexistisch handelst, muss es sich scheiße anfühlen, wenn andere deinen Sexismus thematisieren.

„Wenn du ein Mann* bist, muss es sich scheiße anfühlen, wenn dir die nichtmännlichen Leute um dich rum erklären, welche Privilegien du besitzt. Wenn du breitbeinig dasitzt und mit deiner Stimme einen Raum beherrschst, muss es sich scheiße anfühlen, wenn andere dir schildern, wie ohnmächtig und verloren sie deine Dominanz machen kann.“

Kannste mal sehen Jugendfreund von den Falken. Wenn Du per Definitionsmacht-Konzept als Scheiße definiert wirst – dann BIST Du Scheiße – kapiert? Tiefsitzende psychologische Probleme werden da bei DIR sichtbar:

„Dein Abwehrverhalten gegen die Definitionsmacht der Betroffenen zeigt vor allem dies: Du hast Angst, dass jemand dein Verhalten ihm_ihr gegenüber als Grenzverletzung einstufen könnte, ohne dass du dies geplant oder gewollt hast. Und eine Grenzverletzung, die du nicht gewollt hast, ist deiner Meinung nach gar keine Grenzverletzung, weil du nur Gutes im Sinn hast und weil du kein Vergewaltiger bist. Du glaubst, das selbst am besten zu wissen. Du sprichst der_dem Betroffenen ihre_seine Definitionsmacht, die du ihm_ihr vor ein paar Minuten noch großzügig zugestanden hast, wieder ab.

Sagen wir es ganz deutlich. Wenn Du Dich in unserer Definitionsmacht-Minigesellschaft an diesem Wochende als Mann schlecht gefühlt hast, dann ist das gut so!

„Die Erfahrung zu machen Ich werde nicht gehört, ich bin unwichtig, meine Meinung zählt nicht soviel wie sonst, meine Sicht der Dinge ist nicht die einzige wahre, objektive Sicht, nach der sich alle richten hat noch keinem Mann* geschadet.

Genau! Hat noch keinem geschadet! Und jetzt wegtreten zum selbstkritischen Rechenschaftsbericht Jugendfreund Falke!

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Widersprüche in feministischen Diskussionen

Wenn man längere Zeit Diskussionen mit einigen (nicht allen) linken Feministinnen verfolgt (oder gar führt) dann fallen einem mehr und mehr die inneren vielen Widersprüchlichkeiten der dort teilweise vertretenen Positionen auf. Hier mal die Häufigsten der letzten Zeit:

 Da gibt es z.B. einerseits die Ablehnung des Rechtsstaatsprinzips (weil der die „rape culture“ fördert) und gleichzeitig die Forderung nach Einführung einer gesetzlichen Frauenquote durch eben diesen Rechtsstaat.

„Begründet wird das dann gern mit dem Rechtsstaatlichkeitsprinzip, der Aufklärung und all dem Rotz, der von weißen europäischen Männern in mächtigen Positionen erfunden wurde, um ihren Besitzstand zu wahren und universale Menschenrechte für ihren eigenen Vorteil zu instrumentalisieren.“

http://medienelite.de/2011/07/06/temporar-hassen-und-langfristig-dagegen-sein/

Dem Staat als solchem wird einerseits  generell misstraut und bei jeder Handlung die böseste Absicht unterstellt (in bester anarchistischer Manier wird oft sogar die Abschaffung von Staatsgewalt als solcher propagiert ) um dann fast im gleichen Atemzug die Enteignung und Verstaatlichung von Unternehmen zu fordern.

 Das Recht eines Unternehmens durch geschlechtsspezifische Verkaufsstrategien den Umsatz zu erhöhen wird abgelehnt, wenn dabei Geschlechterstereotype bedient werden („Frauenzone bei Media Markt“). Umsatz zu machen ist schließlich Kapitalismus und daher schlecht. Wenn dagegen Handelsunternehmen mangels ausreichend Umsatz insolvent werden, wird plötzlich lauthals die daraus folgende Arbeitslosigkeit des weiblichen Verkaufspersonals beklagt („Schlecker-Frauen“).

 Es wird eine gesetzliche Frauenquote gefordert und wie selbstverständlich davon ausgegangen, dass allein schon die Weiblichkeit von Quotenfrauen künftig eine Veränderung der Gesellschaft bewirken muss, während man gleichzeitig darüber jammert, dass eine konservative Karrierefrau wie Kristina Schröder in exponierte Position gelangen kann und dabei Feminismus offen ablehnt.

 Da wird betont, dass biologische Geschlechterunterschiede nicht existieren (sollen) und nur vom bösen Patriarchat anerzogen werden und gleichzeitig mit Studien gewedelt, dass weibliche Führungskräfte angeblich einen sozialeren Führungsstil hätten, der den Unternehmen zugute kommt.

 Da wird betont, dass Feminismus doch für alle gedacht sein soll und wenn Männer sich in diesem Gruppenkontext schlecht fühlen, wir das sogar noch als erstrebenswert begrüßt.

„Wenn du ein Mann* bist, muss es sich scheiße anfühlen, wenn dir die nichtmännlichen Leute um dich rum erklären, welche Privilegien du besitzt. Wenn du breitbeinig dasitzt und mit deiner Stimme einen Raum beherrschst, muss es sich scheiße anfühlen, wenn andere dir schildern, wie ohnmächtig und verloren sie deine Dominanz machen kann.“

http://anarchieundlihbe.blogsport.de/2012/04/24/flausch-und-schmerzen-wochenendreflektion/


Warum der Feminismus ein Vermarktungsproblem hat

Feminismus hat ganz klar ein Vermarktungsproblem, dass  aus folgendem Widerspruch resultiert. Einerseits beteuern seine Anhänger immer wieder, dass der Feminismus ja  „für alle“ gut sei und es dabei keineswegs darum gehe Frauen gegen Männer auszuspielen. „Alles ganz easy flauschig – Du magst Menschen? Dann bist Du ja quasi schon Feminist. Du weisst es nur nicht.“ Nichts sei daher einfacher als Mann dem Feminismus beizutreten.

    • „Ein moderner Feminismus lässt die Männer nicht außen vor, sondern wendet sich ganz bewusst auch an sie und nicht nur an Frauen. Und immer mehr Männer merken: Feminismus macht auch ihr Leben besser.“ Quelle: Alphamädchen: Eine Runde Feminismus für die Männer

  • „Diese Praxis ist aber nicht auf Frauen beschränkt. Auch Männer und alle anderen Geschlechter können – und sollten – sich daran beteiligen. Denn es geht nicht um Lobbyarbeit für Fraueninteressen, sondern um eine Welt, in der gutes Leben für alle Menschen möglich ist.“Quelle: Fünfzehn Thesen zu Feminismus und Postgender

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Die harte Realität sieht dann freilich anders aus. Denn als „privilegierter weisser Mann“ hat man unter Feministinen nicht viel zu melden. In der dort real existierenden Szenehierarchie ist man ganz ganz unten. Von dem ganzen „wir sind doch ALLE Feministen“ bleibt nicht viel übrig, wenn man(n) sich nicht ständig in Selbstgeißelung übt.

  • „Was NICHT der Job des Feminismus ist. Es ist nicht der Job des Feminismus sicherzustellen, dass Männer weinen dürfen (wie auch @korbinian neulich getwittert hat und @laprintemps, die auch zu glauben scheint, der Feminismus sei für das Wohl der Männer verantwortlich  – Caretaking Feminism – hat es retweetet). Mann/Frau kann das durchaus gut finden, aber warum sollte man es den Feministinnen als Verantwortung auferlegen?

 

  • „Und nebenbei bemerkt: Viele männliche Heulsusigkeiten können Feministinnen (und nicht nur denen) auch mit Recht gehörig auf den Geist gehen. Nicht zuletzt ist männliche Wehleidigkeit und der damit verbundene Ruf nach weiblicher Fürsorge auch Teil männlicher Dominanz. Tarnt sich halt als Schwäche. (…) Was ich sagen will: oppositionelle Bewegungen, die sich für die Emanzipation Benachteiligter und Unterdrückter einsetzen sind einfach nicht dafür zuständig, sich um das Wohlergehen Aller zu kümmern.“ Quelle: Der Feminismus kauft Dir keine Schokoladenfabrik, Genosse!

 

  • „Ihr habt euch mit euren Geschlechterrollen auseinandergesetzt, habt gegrübelt und eure Identitäten hinterfragt, wart sauer und bestürzt und habt irgendwann beschlossen, das wollt ihr ändern. Ihr twittert antisexistische Parolen, bloggt gegen Diskriminierung und demonstriert gegen Lohnungleichheit. Und dann habt ihr eure Gefühle entdeckt. „
  • „Ist euch aufgefallen, dass ihr die einzigen seid, die ihre großen und kleinen Traurigkeiten ungefiltert und unendlich oft in die Feministeria ballern? Wieso seid ihr der Ansicht, einen Raum wie den queer/feministischen Netzkosmos mit euren Whiteboyproblems beschäftigen zu müssen? Habt ihr mal darüber nachgedacht, dass ihr mit euren vielen Tränen Ressourcen fresst, die andere sowieso schon weniger zur Verfügung haben als ihr, weil sie nicht mit dem goldenen Panzer des weißen Dudes gerüstet sind? Wieso paradiert ihr euer Privileg in unsere Gesichter? Subtile Selbstironie, die ich beim Club der Schmerzensschmerzen e.V. bisher nicht erkannt habe, würde das auch nicht entschuldigen.Wie ihr diese Widersprüche löst, ist nicht mein Problem. Es ist eure Pflicht, um mal einen eher archaischen Begriff zu benutzen.“ Quelle: Muskelkater vom maulen – die Sache mit den Schmerzensboys

 

  • „Auf einem Ladyfest, das die ersten Tage über für alle Gender offen war und die letzten nur noch für tlf*, hat sich ein männlich sozialisierter Mensch zB darüber pikiert, dass Männer* auf diesem Wege ja niemals erfahren könnten, was sie „falsch machen“. Ihm wurde dann richtigerweise entgegnet, dass er ja eine eigene Veranstaltung organisieren könnte.“ http://viruletta.blogsport.de/2012/03/26/deine-privilegien-deine-verantwortung#comment-9

 Tja Hoppla! Der Feminismus ist zwar gut für Menschen, aber Männer – belästigt bitte nicht die feministischen Frauen mit Euren lächerlichen kleinen Problemchen!
Das ganze erinnert ein wenig an eine Religion, die zwar massiv missioniert, aber den „Konvertierten“ nie die Anerkennung eines wahren Gläubigen zukommen lässt.