Equal Pay Day

Heute ist der sog. Equal Pay Day. Der Tag soll auf die bestehenden Lohnunterschiede zwischen den Gehältern von Männern und Frauen hinweisen bzw. die hier bestehende Ungerechtigkeit anprangern.

Zu diesem Lohnunterschied geistern verschiedene Zahlen durch die Welt, die noch dazu gern verschieden interpretiert werden. Die Behauptung, dass Frauen für die gleiche Arbeit 23 Prozent weniger Lohn erhalten würden ist nachweislich falsch. Der bereinigte Gender Gap für die gleiche Tätigkeit beträgt ca. 8 Prozent Lohnunterschied.

Die 23 Prozent (aktuell wohl 22 Prozent) Unterschied beruhen auf einem generellen Gehaltsvergleich von Männern und Frauen, unabhängig von Branche und Arbeitszeit. Woher stammt dieser Unterschied von 21 Prozent, wenn der Gehaltsunterschied bei gleicher Tätigkeit „nur“ 8 Prozent beträgt?

Eine neue Datenbank der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zeigt, dass eine vollbeschäftigte Frau in Deutschland knapp 22 Prozent weniger verdient als ein Mann – der OECD-Schnitt liegt bei einem Minus von 16 Prozent. Die Datenbank erfasst den mittleren Verdienst aller erwerbstätigen Frauen und Männer. Das Gefälle zwischen den Geschlechtern ist vor allem darauf zurückzuführen, dass Frauen in der Regel in schlechter bezahlten Branchen arbeiten.

http://www.oecd.org/document/20/0,3746,de_34968570_35008930_49829460_1_1_1_1,00.html

Frauen arbeiten also in schlechter bezahlten Berufen. Jetzt stellt sich die Frage, ob diese Berufe deswegen so schlecht bezahlt werden, weil dort mehrheitlich Frauen arbeiten oder ob es Berufe gibt, die im kapitalistischen System schlecht bezahlt werden aber trotzdem für Frauen besonders attraktiv sind. Die Antwort auf diese „Henne oder Ei“ Frage wird im Regelfall je nach Meinungsausrichtung beantwortet. Während Feministinnen der Ansicht sind, dass in einem patriarchalen System in  „Frauenberufen“ quasi absichtlich zu wenig gezahlt werde, verweisen andere darauf, dass Frauen ihre Berufswahl persönlich weniger nach der Höhe des Gehaltes treffen als Männer.

Die Lösungsideen für das Problem sind ähnlich gespalten. Einerseits wird dafür plädiert „Frauenberufe“ besser zu bezahlen, andere versuchen eher Frauen für die besser bezahlten „Männerberufe“ zu gewinnen (Prophet und Berg Problem).

Ein Gutes hat der Gender Gap allerdings, denn er schafft neue wichtige Arbeitsplätze für Studienabgänger der Genderwissenschaften:

Um die Initiative des Equal Pay Day über den Aktionstag hinaus durch ein ganzjähriges Engagement zu stärken, öffneten im September 2011 die Bundesgeschäftsstelle Entgeltgleichheit und das Forum Equal Pay Day ihre Pforten. Die Bundesgeschäftsstelle Entgeltgleichheit soll Leitfäden für Veranstaltungen, Werbemittel und Informationsmaterial zum Thema Entgeltgleichheit bereitstellen.

http://www.equalpayday.de/ueber-den-equal-pay-day/

Ob hier hohe oder niedrige Gehälter gezahlt werden ist allerdings nicht bekannt.

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5 Kommentare on “Equal Pay Day”

  1. „Die Lösungsideen für das Problem sind ähnlich gespalten. Einerseits wird dafür plädiert “Frauenberufe” besser zu bezahlen, andere versuchen eher Frauen für die besser bezahlten “Männerberufe” zu gewinnen (Prophet und Berg Problem).“

    Es ist schade, dass da aus Ideologischen Gründen eigentlich eine Lohnangleichung behindert wird. Denn durch das Diskriminierungsgespenst werden ja noch eher Frauen abgeschreckt und zudem Maßnahmen eingeleitet, die nichts bringen.

    Wenn man was ändern will, dann muss man die Fremdbetreuung ausbauen und die direkte Betreuung durch die Mutter abwerten (da hätten wir dann das erste Problem, weswegen viele Frauen wenig begeistert wären). Die Gehälter gehen ja dann auseinander, wenn die Kinder kommen.

  2. TheGurkenkaiser sagt:

    „Frauen arbeiten also in schlechter bezahlten Berufen. Jetzt stellt sich die Frage, ob diese Berufe deswegen so schlecht bezahlt werden, weil dort mehrheitlich Frauen arbeiten oder ob es Berufe gibt, die im kapitalistischen System schlecht bezahlt werden aber trotzdem für Frauen besonders attraktiv sind“

    nein, das ist nicht die frage. das ist scheißegal. wenn frauen im durchschnitt 23% schlechter bezahlten werden ist das eben eine lohnungleichheit, ergo diskriminierung. die gründe dafür sind unterschiedlich aber das ändert nichts an der diskriminierung.

    sind schlechter bezahlte berufe attraktiver für frauen? – warum sind sie schlechter bezahlt? – diskriminierung
    sind sie schlechter bezahlt WEIL Frauen doert arbeiten (ich glaube nicht) – auch diskriminierung.

    es bleibt bei 23% die „bereinigung“ ist ideologischer quatsch.

    • lawen4cer sagt:

      Das z.B. ein Gärtner oder ein Friseur weniger verdient als ein Ingenieur ist noch keine Diskriminierung.

      Wenn Frauen statistisch nur deshalb weniger verdienen, weil sie lieber Gärtnerin oder Friseurin werden als Ingeneurin ist auch das keine Diskriminierung. Es sei denn man hält Frauen aktiv davon ab Ingeneurin zu werden. Das wäre dann aber kein Problem der gerechten Bezahlung sondern des Berufszugangs.

      Frauen werden für gleiche Arbeit auch nicht 23 % schlechter bezahlt, weil hier Vollzeit- und Teilzeit einfach zusammengeworfen werden.

      Wenn ich für 4 Stunden Arbeit in einer Teilzeitstelle 80,- EUR am Tag verdiene und Du auf einer Vollzeitstelle 120 EUR für 8 Stunden, dann verdiene ich ABSOLUT weniger als Du. Ich werde aber nicht „für die gleiche Arbeit schlechter bezahlt“ denn mein Stundenlohn beträge dann 20,- EUR und Deiner nur 15,- EUR.

      Daher ist eine Bereinigung des Gehaltsvergleiches notwendig und dann sind wir bei 8 % Unterschied.

    • elitemedium sagt:

      Hallo Gurkenkaiser.

      Wählst Du Deinen Beruf ausschließlich nach der Höhe des Gehaltes aus? Es gibt zumindest Menschen, die wählen einen Beruf der Ihnen Freude macht, auch wenn sie wissen, dass dieser Beruf schlechter bezahlt wird als ein anderer, den sie erlernen könnten.

      Du siehst doch, dass z.B. die ganzen jungen linken Blog-Feministinnen geradezu Stolz vor sich hertragen KEINE Festanstellung zu haben und auch nicht zu wollen und sich dem „System“ zu verweigern. Die wären auch intelligent genug gewesen Bankerinnen, Anwältinnen oder Ärztinnen zu werden und damit viel Geld zu verdienen. Wollten sie aber wohl nicht.

    • godsboss sagt:

      nein, das ist nicht die frage. das ist scheißegal. wenn frauen im durchschnitt 23% schlechter bezahlten werden ist das eben eine lohnungleichheit, ergo diskriminierung. die gründe dafür sind unterschiedlich aber das ändert nichts an der diskriminierung.

      Nein, wenn Frauen im Durchschnitt 23% weniger bekommen, ist das erstmal nur eine Ungleichheit, die natürlich ganz oder auch nur anteilig durch Diskriminierung zustandekommt. 8% bleiben bereinigt vom Gender Pay Gap übrig, was aber auch noch nicht bedeutet, dass 8% durch Diskriminierung verursacht sind. Vielleicht hat man einfach nur bestimmte Ursachen noch nicht erkannt.

      sind schlechter bezahlte berufe attraktiver für frauen? – warum sind sie schlechter bezahlt? – diskriminierung

      Die unterschiedliche Entlohnung in Berufen darf man gern als Diskriminierung ansehen (halte ich zwar für falsch, aber kann man als Voraussetzung auch mal akzeptieren). Die hat dann aber nur dummerweise nichts mehr mit einem „Gender Pay Gap“ zu tun, weil natürlich männliche Angestellte genau so betroffen sind. Vielleicht ist es auch so, dass der schlechteren Entlohnung andere Vorteile gegenüberstehen, die nicht genannt sind. Der öffentliche Dienst zahlt im Vergleich zu bestimmten Branchen lausig (deswegen findet das BKA auch selbst keine fähigen Entwickler, die kosten schlicht viel mehr, als man auf so einer Stelle kriegt, und muss sowas wie den „Bundestrojaner“ extern entwickeln lassen), andererseits sind dort bisweilen die Arbeitsplätze wesentlich sicherer und nicht dem Schwanken der Wirtschaft ausgesetzt. Wenn nun Frauen bevorzugt solche Positionen einnehmen (ist nicht sogar der Frauenanteil im öffentlichen Dienst relativ hoch?), kriegen sie weniger Geld, haben dafür aber andere Vorteile, die sie letztlich mit einem geringeren Verdienst „bezahlen“.


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