Schmerzensmänner – keine Solidarität vom Feminismus.

Der Begriff des Schmerzensmannes /bzw. der Schmerzensmänner stammt aus der Feder von Nina Pauer, die sich in einem Artikel in der Zeit darüber beklagt hatte, dass der Feminismus aus den vormals „richtigen“ Männern nun weinerliche traurige Gestalten gemacht habe:

„Doch was als eine begrüßenswerte Mentalitätsreform des alten Männerbildes begann, hat inzwischen groteske Züge angenommen. Das eigene Leben reflektierend und ständig bemüht, sein Handeln und Fühlen sensibel wahrzunehmen, nach außen zu kehren und zu optimieren, hat er sich auf einer ewigen Metaebene verheddert, von der er nicht wieder herunterkommt.

Die erfolgreiche Kommunikation mit seinem weiblichen Gegenüber, in Liebesdingen ohnehin notorisch unwahrscheinlich, ist damit noch ein Stück weiter in Richtung Unmöglichkeit gerückt. Denn auf die junge Frau wirkt die neue männliche Innerlichkeit, das subtile Nachhorchen in die tiefsten Windungen der Gefühlsregungen schrecklich kompliziert. Und auf die Dauer furchtbar unsexy.“

Der Schmerzensmann ist damit also eigentlich das Gegenteil vom antifeminstisch eingestellten Mann, denn er versucht ja gerade profeministisch zu sein. Nur leider ist er dabei aus der Sicht von Nina Pauer „unsexy“. Seither ist der Begriff des Schmerzensmannes in vieler Munde. Der Chefredakteur der Männerzeitschrift GQ stellte klar, dass Nina Pauer vermutlich nur in den falschen Bars herumhängt und daher keine „richtigen Männer“ trifft.

Man hätte also damit rechnen können, dass als Reaktion auf  den Text von Nina Pauer zumindest feministische Autorinnen erklären, dass Ninas Artikel ziemlich großer Mist sei und letztendlich nur dazu führt, dass sich die (Schmerzens)Männer von Feminismus wieder abwenden, um wieder „richtige“ Männer – und sexy – zu werden. Aus feministischer Sicht eine kontraproduktiv Entwicklung.

Stattdessen hat die femistische Webszene den Begriff dankbar aufgegriffen um auch ihrerseits über echte oder vermeintliche Schmerzensmänner abzulästern.

Franziska alias hermann hermann stellt in ihrem Blog ananarchie und lihbe klar, dass auch profeministische Schmerzensmänner noch immer privilegierte Arschlöcher sind und deren Probleme ihr gründlich am Allerwertesten vorbeigehen.

„Ist euch aufgefallen, dass ihr die einzigen seid, die ihre großen und kleinen Traurigkeiten ungefiltert und unendlich oft in die Feministeria ballern? Wieso seid ihr der Ansicht, einen Raum wie den queer/feministischen Netzkosmos mit euren Whiteboyproblems beschäftigen zu müssen? Habt ihr mal darüber nachgedacht, dass ihr mit euren vielen Tränen Ressourcen fresst, die andere sowieso schon weniger zur Verfügung haben als ihr, weil sie nicht mit dem goldenen Panzer des weißen Dudes gerüstet sind? Wieso paradiert ihr euer Privileg in unsere Gesichter?
Subtile Selbstironie, die ich beim Club der Schmerzensschmerzen e.V. bisher nicht erkannt habe, würde das auch nicht entschuldigen.

Wie ihr diese Widersprüche löst, ist nicht mein Problem. Es ist eure Pflicht, um mal einen eher archaischen Begriff zu benutzen.Findet Lösungen, die euch und uns erlauben, weichherzige, gefühlvolle Menschen zu sein. Überlegt euch, wie ihr feministische Männer* sein könnt, ohne die Feminist_innen mit eurem Mannsein zu belasten.
Das ist das mindeste, was ihr tun könnt, wenn ihr von mir weiter als feministische Verbündete gesehen werden wollt.“

Der Schmerzensmann soll seine Probleme also gefälligst alleine lösen und die Feministinnen  nicht mit seiner Männlichkeit belästigen.

UPDATE:

Es gibt doch auch feministische Kritik an dieser feministischen Sichtweise auf die „Schmerzensmänner“. Im Antiblog heißt es dazu:

„Männer in “feministischen und queer”-Kreisen “mitmachen zu lassen”, auch in Ausprägungen, die vielleicht manchmal zuviel Raum einnehmen, finde ich absolut notwendig. Männer sind wichtige Multiplikatoren der Idee “Feminismus”. Und wenn der Schmerzensmann weinen muss, dann muss er eben weinen. Was nimmt er mir dadurch weg? Raum, Ressourcen, Zeit für wichtigeres? Ich denke nicht. Emotionen sind das stärkste Mittel der Kommunikation.

So sehe ich lieber 10 Schmerzensmänner auf hohem Niveau wehklagen, als einen Mann, der sich der Debatte entzieht, weil sie ihm potentiell nahe gehen könnte oder zur Reflektion zwingt. Auf dem Weg zu einer Gesellschaft, in der Gefühle zeigen eben nicht mehr gegendert ist, muss es auch Männer geben, die öffentlich und laut maulen, motzen, weinen und schreien.“

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3 Kommentare on “Schmerzensmänner – keine Solidarität vom Feminismus.”

  1. BasementBoi sagt:

    Was sollen denn das für Männer sein? Ich persönlich neutralisiere den Konflikt nicht, indem ich mich ihm entziehe(Sachebene), sondern indem ich mich zu meinen Gefühlen und Bedürfnissen bekenne, gleichzeitig aber auch die meines Gegenübers, anerkenne, wertschätze, verbalisiere und somit versuche beide Bedürfnisse zu befriedigen.
    Menschen haben Freude daran, einander zu unterstützen, denn dadurch werden ebenfalls Bedürfnisse erfüllt.

    Im übrigen bezieht sich das nicht nur auf das ausdrücken von Schmerz sondern auch von Freude.

  2. Manifold sagt:

    Alice Schwarzers Schundblatt Emma hat in der Winterausgabe auch einen Artikel mit dem Titel „Neue Männer wir lieben euch“ drin gehabt, in dem die Tiraden der Pauer kritisiert werden. Es gibt also durchaus Feministinnen, die weiter als ihre Nasenspitze denken können und bemerken, dass ihre fragile Machtbasis unter anderem auf diese umerzogenen Pudel beruht.

    Hier der Artikel:

    http://www.wgvdl.com/forum/board_entry.php?id=226785#p226785

    Maskulistische Grüsse,
    Manifold

    Die Söhne von Perseus

    P.S.: Gratuliere zum Blog, weiter so!

  3. Julia Seeliger sagt:

    Der Chefredakteur der Männerzeitschrift GQ stellte klar, dass Nina Pauer vermutlich nur in den falschen Bars herumhängt und daher keine “richtigen Männer” trifft.

    Das habe ich genauso festgestellt. Die Männer-Brille aufgehabt? 😉


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