Der Wind dreht sich..

Die Wahl von Donald Trump hat im feministisch/antirassistischen SJW Lager offenbar große Verunsicherung gesäht, bis hin zum Fatalismus. Offenbar merkt man dort, dass einem gerade die Meinungs- und Deutungshoheit abhanden kommt. Das wiederum liegt daran, dass die Wahl von Trump gezeigt hat, dass es einen deutlichen Unterschied geben kann zwischen der in den Medien verbreiteten Auffassung („Trump ist ein Sexist, er ist unwählbar und hat keine Chance“) und der tatsächlichen Mehrheitsmeinung in der Bevölkerung (Trump wird gewählt).

Jetzt wird viel darüber diskutiert, wie man denn den „Populismus“ bekämpfen könne, wobei der Begriff ähnlich beliebig verwendet wird wie der Begriff „hatespeech“. Populistisch ist im Zweifel halt der politische Gegner, wenn die Gefahr besteht, dass er einen aus dem Sessel der Macht verdrängen könnte, in dem man es sich doch jahrelang so bequem gemacht hat.


Leseprobe

Es gibt in den tiefen des Netzes einige wirklich lesenwerte Gedanken und Anlalysen zur aktuellen Situation, die unter Anderem zur Wahl von Trump geführt hat. Hier einige Leseproben mit der Empfehlung, sich den ganzen Artikel auf den verlinkten Blogs anzuschauen:

Frau Meike

Am meisten betrübt mich, dass diese Form der Abstrafung auffallend häufig aus den Lagern kommt, in denen sonst unermüdlich für eine pluralistische, vielfältige Gesellschaft eingestanden wird. Oft treiben gerade linke Aktivisten ihre Gegner so lange vor sich her, bis die da stehen, wo sie sie von Anfang an sehen wollten. Ein Mann, der es richtig findet, dass eine Frau sich um die Kindererziehung kümmert, ist plötzlich nicht mehr von Vorgestern, sondern ein Frauenhasser, seine Meinung damit, da Ausdruck von Hass, gesellschaftlich absolut inakzeptabel. Jemand, der fragt, ob man die Flüchtlingskrise auch anders lösen kann als durch völlige Grenzöffnung, ist ein erbitterter Rassist, jeder, dem die Ehe ein Bündnis zwischen Mann und Frau ist, ist ein Schwulenhasser und so weiter. Das ganze Lager der Konservativen ist den Linken abhanden gekommen, weil alles, was früher als konservativ galt, heute zu Hass umetikettiert wird. Konservative Ansichten gelten als untrügliches Zeichen dafür, dass es die Gesellschaft hier mit einem aggressiven Extremisten zu tun hat, der sofort aus der Gemeinschaft ausgeschlossen gehört. Wer so „diskutiert“, muss sich nicht wundern, dass die Mitte nach rechts abwandert.

Kiezneurotiker

Sie erleben gerade eine perverse Form von Revolte. Diejenigen, die an den Rand gedrängt wurden, wählen jetzt den Fickfinger. Mit voller Überzeugung. Inbrunst. Ohne Reue. Ohne Skrupel. Und es ist egal, was sie da in ihren Elfenbeintürmen über ihren Fickfinger schreiben. Und es ist egal, was der Fickfinger in Kameras oder auf Tonspuren spricht. Hauptsache er ist ein Fickfinger. Der euch alle fickt. Viel Spaß damit. Ihr habt die Gesellschaft kaputt gemacht, Werte lächerlich gemacht, Menschen entsolidarisiert, Zusammenhalt geschleift, soziale Sicherheit aufgebohrt und das toxische Konkurrenzdenken in alle Bereiche des Lebens getragen, gefordert und gefördert, seit 25 Jahren macht ihr das. Jetzt kommt der Fickfinger. Eure Verantwortung. Eure Quittung. Fresst die Medizin. Schön schlucken. Lecker. Nicht?

M7

Die Bevölkerung, sowohl in den USA als auch hier, das wird sich im Wahljahr 2017 zeigen, weiß ziemlich genau, was sie nicht mehr will, aber sie weiß nicht oder noch nicht, wohin sie politisch will. Das macht die Lage spannend und gefährlich zugleich. Aber es sind nicht die einfachen Leute, die durch ihre so zynisch genannte Bildungsferne den Populisten auf den Leim gehen. Das ist eine neue Legende, die so gerne erzählt wird. Der Populismus ist das Kind einer Politik, die sich nicht mehr um das Schicksal derer schert, die unter der Akzentlosigkeit einer sozial unverantwortlichen Politik geschreddert werden.


Margarete Stokowski zu Trump

Nach der SPON Kolumne von Fleischhauer hat nun auch Margarete Stokowski die Wahl von Trump verdaut und ihre Meinung dazu aufgeschrieben (Ich finde es ja nebenbei bemerkt ganz toll, dass Spiegel online offenbar Menschen dafür bezahlt, dass die im Rahmen einer Kolumne einfach mal so ihre persönliche Meinung zu Gott und der Welt schreiben und das ganze dann Journalismus nennen).

Für Stokowski war der Wahlsieg von Trump offenbar doppelt hart.

Ich habe es auch nicht geglaubt. Ich hatte eine halbe Kolumne fertig darüber, was es für den Feminismus bedeutet, wenn Hillary Clinton Präsidentin ist. Na ja. Einmal im Leben optimistisch gewesen, und dann das.

Da möchte man sich gar nicht näher ausmalen, wieviele feministische Texte diverser Autorinnen schon in der Pipeline waren, die uns im Falle eines Wahlsieges von Hillary das nunmehr endgültige Ende des weißen Mannes verkündet hätten.

Stokowski findet das alles aber nun gar nicht witzig und versucht sich an einer Analyse.

Das linke Milieu sei zu arrogant, hieß es jetzt in vielen Analysen zur US-Wahl. Es lebe in einer Blase, verbarrikadiert hinter Biokisten, und verachte alle, die nicht zu Judith Butler promoviert hätten. Ich fand das eine interessante These, weil ich das Gefühl hatte, ich müsste diese Leute eigentlich kennen, aber vielleicht tragen sie auch eine Aura von Sympathiemangel um sich rum, sodass ich nicht dazu komme, auf Partys mit ihnen zu reden, ich weiß es nicht, aber das linke Milieu, das ich kenne, ist besorgter, und mit Grund.

Arroganz? Filterbubble? Kann nicht sein. Noch nie von gehört und überhaupt.

Seit dem ersten Tag nach der Wahl können wir vermehrt Berichte in sozialen Medien lesen von Frauen, denen das Kopftuch heruntergerissen wurde, von Schwulen, die blutiggeprügelt wurden oder von anderen Menschen, denen jetzt gesagt und gezeigt wird, dass dies nicht mehr ihr Land ist.

So ist das mit Filterbubbles. Schon längere Zeit vor der Wahl konnte man in sozialen Medien nämlich auch von zunehmenden gewalttätigen und sexuellen Übergriffen von Flüchtlingen auf Deutsche lesen, was hierzulande die Umfragewerte der AfD erhöht. Nur interessieren solche Opfer die linksfeministische Szene eher weniger, wie wir seit der Aktion #ausnahmslos wissen.  Aber vermutlich gibt es solche Leute auch nicht auf den Partys, auf denen sich Stokowski so rumtreibt.


Fleischhauer bei SPON: Das Ende des Feminismus

Der streitbare Jan Fleischhauer titelt in seiner aktuellen Kolumne bei Spiegel Online anlässlich der Wahl von Donald Trump: „Das Ende des Feminismus„.

Insbesondere folgende Analyse von Fleischhauer würde ich ebenfalls unterschreiben:

Dem Feminismus ergeht es jetzt wie der Sozialdemokratie (unter der ich die „US-Demokraten“ an dieser Stelle großzügig verrechne). Aus einer Emanzipationsbewegung ist mit fortschreitender Akademisierung ein Elitenprojekt geworden, dessen ideeller Fluchtpunkt nicht mehr die Supermarktkasse, sondern der Hörsaal ist. Das gilt paradoxerweise auch für Clinton, die mehr als drei Jahrzehnte von der Nachfolgegeneration trennt.

(…)

Der moderne Feminismus behauptet nur, die Mehrheit der Frauen zu repräsentieren. Tatsächlich hat er Mühe, aus dem Seminarraum herauszufinden. Schon der Jargon der Protagonistinnen verrät, dass hier Leute den Ton angeben, deren Lebensplanung von einem drittmittelgeförderten Projekt zum nächsten reicht. Man muss keinen Kontakt zur normalen Arbeitswelt haben, der über gelegentliche Besuche bei Penny hinausgeht. Aber es kann eben auch nicht schaden, wenn man sich die Befreiung der Hälfte der Menschheit auf die Fahnen geschrieben hat.

Wer ein Beispiel für „Feminismus, der Mühe hat aus dem Seminarraum herauszufinden“ sucht, wird z.B. bei einem aktuellen Beitrag der mädchenmannschaft fündig:

Mehrdimensionale Lebensrealitäten inner- und außerhalb von Communitys verhandelt sie in Performance-Texten, Vorträgen und Veranstaltungsreihen.


Gedankensplitter zur Trump Wahl Teil 2

Dem  Netzfeminismus scheint nach der Wahl von Donald Trump plötzlich bewusst zu werden, dass er in der Mehrheit der Wähler/Bevölkerung keine Mehrheit und keinen Rückhalt besitzt.

Bei der taz schreibt Hengameh Yaghoobifarah unter der Überschrift trust no white bitch:

Hätte es so etwas wie eine feministische Schwesternschaft je gegeben, haben sie diese verraten, da sie sich lieber einem wütenden weißen Mann unterordnen als einer, wenn auch fragwürdigen, weißen Frau. Das Misstrauen gegenüber weißen Frauen hat sich bewährt: Ihnen ist intersektionaler Feminismus scheißegal.

Was für eine Überraschung. Der Mehrheit der Frauen ist intersektionaler Feminismus scheißegal.

Richtig hart getroffen hat das Ergebnis offenbar auch Antje Schrupp:

Es ist natürlich toll, dass die Demokraten Clinton aufgestellt haben, aber ich könnte mir denken, wenn sie einen Mann aufgestellt hätten – nicht Bernie Sanders, ich glaube nicht, dass er Chancen gehabt hätte, aber einen „Hillarius Clinton“, der hätte gegen Trump gewonnen.

(…)

Jedenfalls habe ich mich gefragt, ob, um Trump zu verhindern, es den Preis wert gewesen wäre, auf einen Schwarzen und eine Frau zu verzichten?

Sie prophezeit dem Feminismus schwere Zeiten:

Die Bedingungen des libertären und feministischen Aktivismus haben sich einfach grade sehr verschlechtert. Zunächst in den USA, aber ich fürchte, es wird sich auch in Europa ausbreiten.

 

Auch bei Alice Schwarzer ist der „weiße Mann“ (Titel: Tickende Zeitbombe) natürlich schuld am Wahlergebnis:

„Donald Trump wurde mit überwältigender Mehrheit von weißen Männern gewählt, und zwar vor allem von solchen, die man als „abgehängt“ bezeichnet. Zwei Drittel (63%) der weißen männlichen Wähler stimmten laut CNN-Wahlstatistik für den weißen männlichen Kandidaten.“


Wenn zwei Drittel ALLER weißen Männer Trump gewählt haben sollen, stellt sich die Frage, wie Frau Schwarzer darauf kommt, dass Trumps Wähler vor allem aus „abgehängten“ Männern bestehen – es sei denn man geht davon aus, dass per se der Großteil der weißen Männer abgehängt ist.


Gedankensplitter zur Trump Wahl

Bei der Mädchenmannschaft schreibt Magda:

Realitätscheck: Welche Bevölkerungsgruppen haben für Trump gestimmt?

  • 63% der weißen Männer und 53% der weißen Frauen.
  • 13% der Schwarzen Männer und 4% der Schwarzen Frauen.
  • 33% der Latinos und 26% der Latinas. (Quelle: exit polls CNN)

Die Wahl entschieden haben also Weiße, auch weiße Frauen.

Das „weiße Männer“ diese Wahl „entschieden“ haben sollen, ist anhand dieser Zahlen eine bemerkenswerte Sichtweise. Insbesondere weil die Wahlstimme eines bösen weißen Mannes genau so viel zählt wie z.B. die Stimme einer Latina. Hätten also die aufgeführten 13 % der schwarzen Männer, 4 % der schwarzen Frauen, 33 % der Latinos und 26 % der Latinas nicht für Trump, sondern für Clinton gestimmt, hätte Trump die Wahl auch nicht gewonnen. Man könnte also auch sagen, dass eher die „abtrünnigen“ PoC, die sich wahltechnisch in das Lager der Weißen begeben haben „die Wahl entschieden“ haben. Gar nicht zu sprechen von den Bevölkerungsgruppen, die gar nicht erst gewählt haben.

Bei dieser Sichtweise müsste sich die mädchenmannschaft allerdings fragen, weshalb People of Colour in erheblicher Zahl Trump gewählt haben und nicht Clinton.

Für Magda steht der Schuldige fest:

Wer hat uns verraten? Korrekt: Die (weiße) Mittel- und Oberschicht.

Mir ist jetzt irgendwie neu, dass die weiße Mittel- und Oberschicht in den USA die Mehrheit der Wahlberechtigten stellt.

Und außerdem: Verraten? Schuldet die weiße (männliche) Mittel- und Oberschicht den selbsternannten Antirassisten, social justice warriors und Feministinnen in irgendeiner Weise eine Gefolgschaft? Zur Erinnerung: Das sind die, die bereits vorschnell das Ende des weißen Mannes gefeiert und ihn ein Auslaufmodell genannt haben.


Ist eine Vorliebe für Aisiatinnen rassistisch?

Bisher dachte ich immer, Rassismus sei eine Art gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit, die sich an gewissen körperlichen Merkmalen (Hautfarbe) fest macht. Bei Bento ist jetzt ein Artikel erschienen, in dem sich die Autorin Thi Yenhan Truong darüber beklagt, dass sie beim Daten immer wieder auf Männer trifft, die aus verschiedenen Gründen eine sexuelle Vorliebe für asiatische Frauen haben oder zumindest einmal in ihrem Leben eine entsprechende sexuelle Erfahrung machen möchten (sie nennt es „yellow fever“).

Gerade als vietnamesischstämmige Deutsche erlebe ich oft, dass sich viele Männer etwas von mir als Asiatin versprechen: eine exotische, sanfte Kindfrau, die im Bett besonders devot und/oder freakig ist.

Das Phänomen ist im englischsprachigen Raum bekannt als „Yellow Fever“ und steht für Menschen (meist Männer), die gesteigertes sexuelles Interesse an asiatischen Menschen (meist Frauen) haben.

So weit so harmlos. Was mich aber erstaunt ist die Position der Autorin eine solche Vorliebe als Rassismus zu bezeichnen.

An sich ist nichts dagegen zu sagen, einen bevorzugten Typ oder Vorlieben zu haben. Aber der Spaß hört für mich auf, wenn es nur um meine Hautfarbe geht. Nicht nur, dass es absolut oberflächlich ist – es ist schlicht rassistisch und beleidigend, Menschen nach ihrer Hautfarbe zu beurteilen und ihnen bestimmte Eigenschaften anzudichten.

Das finde ich jetzt wieder überraschend. Betrachtet man z.B. den von Boris Becker bevorzugten Typus seiner Partnerinnenwahl, wird man ihm wohl zu Recht unterstellen dürfen, dass er nur dunkelhäutige Frauen in Betracht zieht. Nach der Definition von Thi Yenhan Truong wäre er damit Rassist, WEIL er dunkelhäutige Frauen mag.

Was macht man also nun als weißer Mann (denn natürlich liegt das Problem nur hier), wenn man an yellow fever leidet?

YouTuberin Anna Akana drückt es so aus: „Warum kommen die Männer nicht und sagen: ‚Ich bin ein rassistisches Arschloch.‘ Da würdest du wenigstens denken: Oh, das ist ehrlich. Das ist cool.“

Na dann…